Faire Babymode und Fairtrade

Für kommenden Mittwochabend wurde ich zu einem Radiointerview zum Thema „Ich bin Fairer Handel“ eingeladen. Dieses Event möchte ich nun zum Anlass nehmen, um einmal ein paar Linien zum Thema Fairer Handel und Faire Babymode zu schreiben.

Fairtrade als ein Weg der Armutsbekämpfung

Fairtrade (FLO) ist ein sehr starkes Label auf dem Markt. In der Labelschule von It fits finden wir die Ziele des Fairtrade-Standard sehr schön definiert:

„Fairtrade ist eine Strategie zur Armutsbekämpfung. Durch gerechtere Handelsbeziehungen soll die Situation der benachteiligten Produzentenfamilien – in diesem Fall Kleinbauern, die Baumwolle anbauen, in Afrika, Asien und Südamerika verbessert, die Binnenwirtschaft gestärkt und langfristig ungerechte Weltwirtschaftsstrukturen abgebaut werden.“

Den Baumwollbauern werden feste Mindestpreise gezahlt und sie erhalten eine Fairtrade-Prämie. Was die restliche Produktionskette, also die Weiterverarbeitung der Baumwollfasern angeht, fällt nicht mehr direkt in den Aufgabenbereich von Fairtrade. Hier muss lediglich der Nachweis erbracht werden, das die ILO-Arbeitsnormen eingehalten werden.

Fairer Handel ohne Fairtrade?

Leider ist das Label Fairtrade schon des Öfteren in Verruf geraten. Gründe dafür gibt es verschiedene.

Zum einen zeigten Spontanbesuche bei den Baumwollbauern, dass die tatsächlichen Arbeitsbedingungen und Sozialleistungen häufig nicht den Fairtrade-Richtlinien entsprechen. Damit steht Fairtrade allerdings nicht alleine da, denn die Baumwollbauern werden zur Erneuerung ihrer Zertifizierungen – seien es Bio- oder Fairtrade Prüfstellen – für gewöhnlich nur einmal im Jahr kontrolliert, und dies zumeist an einem zuvor angekündigten Termin. Dass hier einfach Missbrauch zu betreiben ist, erklärt sich von selbst.

Ein weiterer Grund, warum sich immer mehr Produzenten alternative faire Labels suchen, sind die hohen Zertifizierungskosten. Fairtrade ist für viele schlichtweg nicht erschwinglich.

Aufgrund teils überhöhter Kosten und der Kritik an Fairtrade beginnen immer mehr Unternehmen eigene faire Konzepte und Nachhaltigkeitsrichtlinien zu entwickeln. Vertrauenswürdig werden diese, indem ausführliche Informationen, wie Nachhaltigkeitsberichte, Bilder und Videos der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Für die Einhaltung fairer Arbeitsbedingungen sind das Unternehmen und interne Kontrollinstanzen zuständig. Eine gute Dokumentation und eine möglichst transparente Produktionskette schaffen auf diese Weise eine Vertrauensbasis beim Endverbraucher.

Faire Babymode MIT und OHNE Fairtrade

Wir selbst sind keine Verfechter von Fairtrade. Selbst wenn unsere Rohstofflieferanten über ein Fairtrade Zertifikat verfügen, wollen wir damit nicht groß hausieren gehen. Für uns gibt es stärkere Labels wie beispielsweise den Global Organic Textile Standard (GOTS), der neben dem ökologischen Landbau auch auf sozialverträgliche Arbeitsbedingungen innerhalb der gesamten Produktionskette achtet.

Unsere Bio Baumwolle ist GOTS zertifiziert, nicht jedoch der Rest der Produktionskette, weshalb unsere Babymode auch kein GOTS Label auf dem Etikett tragen darf. Dennoch ist es für uns sehr wichtig sichergehen zu können, dass unsere Baumwollfasern bio-zertifiziert und die Produktionsbedingungen fair sind. Denn regelmäßige Besuche der Baumwollbauern sind uns aus zeitlichen Gründen nicht möglich. Der GOTS Standard gibt uns diese Sicherheit und unser Ziel ist es, langfristig unsere gesamte Produktionskette zertifizieren zu lassen.

Zu unseren Textilproduzenten haben wir – anders als zu den Baumwollbauern – regelmäßig Kontakt. Wir kennen unsere Produktionsstätten, lassen uns immer die aktuellsten Zertifizierungen kooperierender Zulieferer über die Unbedenklichkeit der verwendeten Farben und Knöpfe vorlegen und vertrauen auf den kritischen Blick unserer Produzenten.

Mariella, Inhaberin der Schneiderei, die für uns näht, hat selbst einige Jahre in München gelebt, wo sie die deutsche Biobranche kennen und schätzen lernen konnte. Als hätte sie ein Stück des typisch deutschen Perfektionismus mit zurück nach Peru genommen, achtet sie penibel genau auf die Einhaltung strenger Arbeits- und Sozialstandards. Ihre 4 festen Mitarbeiter werden überdurchschnittlich entlohnt und verfügen über einen ordentlichen Arbeitsvertrag, was in Peru durchaus keine Selbstverständlichkeit ist.

Wir vertrauen auf unsere Menschenkenntnis, auf Mariella und die Informationen, mit denen wir vor Ort aber auch über die Distanz versorgt werden und können mit gutem Gewissen behaupten, dass wir unter Mama Ocllo® Faire Babymode produzieren lassen.

„Ich bin Fairer Handel“ – Mama Ocllo® im Radio

Wer gerne mehr erfahren möchte über unseren Standpunkt zum Thema „Fairer Handel mit Peru“, dem empfehle ich das Kulturprogramm Funkturm, das am kommenden Mittwoch, 17.9.2014, um 18 Uhr über Radio Charivari live gesendet wird.

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