Ökologischer Landbau in Perus Anden

Vor einiger Zeit bekam ich die Chance, bei Perus größtem Exporteur von andinem Bio-Getreide, der Firma Sierra & Selva, ein Praktikum zu absolvieren. Eine wertvolle Erfahrung, viele unvergessliche Eindrücke und Begegnungen.

Produktionskette – Von der Saat bis zum fertigen Produkte

Ziel meines Praktikums sollte es sein, die Produktionskette vom Anbau eines Bio-Produkts bis hin zum Vertrieb kennenzulernen.

Dabei konzentrierte sich mein Hauptinteresse vor allem auf den Ursprung eines jeden Produkts. Wie funktioniert der Anbau? Unter welchen Voraussetzungen und Bedingungen wird angebaut? Alles Fragen, auf die ich glücklicherweise schon bald Antworten erhalten sollte.

Zu Besuch bei Quinoa-Bauern in den Anden

Die wohl wichtigste Erfahrung machte ich während einer mehrtägigen Juliaca, Region Puno, PeruReise nach Juliaca, in der Region Puno (ca. 3810m). Nach einer kurzen Akklimatisierungsphase verbrachte ich meine Zeit damit, das vor Ort tätige Team meines Arbeitgebers, zu verschiedenen Dörfern und Anbaugebieten von Quinoa zu begleiten.

Was ich zuvor nur aus der Theorie kannte, sollte sich nun in der Praxis bestätigen. Wie beim Baumwollanbau an der Küste und der Kultivierung von Kaffee im Regenwald werden seit der Landreform in den 70er Jahren die Felder größtenteils von Kleinbauern bestellt. Die wenigen Quadratmeter, die einer Familie im Zuge der Umverteilung zugeteilt wurden, stellen die Haupteinnahmequelle der meisten Bauern. Monatelang wird hart gearbeitet, bis der Ernteertrag bei Kooperativen oder Sammelstellen von Firmen abgeliefert und gegen das lang ersehnte Bargeld eingetauscht werden können. Umso wichtiger ist es für die ländlichen Familien, möglichst gute Preise für ihr Getreide zu erzielen.

Ein sehr schöner Ansatz, wie ich finde . . .

Alleine wäre dies aufgrund der geringen Volumina nicht möglich, ein Grund dafür, dass immer mehr Bauern sich zu Assoziationen zusammenschließen und gemeinschaftlich höhere Preise einfordern. Diese Bauernvereinigungen entstehen häufig auf Einwirken externer Helfer, die die Bauern in biologischen Anbaumethoden schulen, ihnen wirtschaftlichen Grundlagen vermitteln und sie dadurch zu einem stärkeren Selbstbewusstsein führen. Ziel vieler dieser Organisationen ist es, die Bauern so lange zu begleiten wie nötig, um sich dann langsam zurückzuziehen. Anstatt ein Abhängigkeitsgefühl zu schaffen, sollen sie lernen, eigenverantwortlich zu handeln und künftige Verbesserungen alleine und/oder in der Gemeinschaft herbeizuführen.

Nicht zu vergessen sind die Herausforderungen . . .

Neben klimatisch bedingten Ernteausfällen, ist mir eines besonders aufgefallen, ein starkes Misstrauen! Erklären lässt sich dies teilweise durch die vielen Enttäuschungen und Täuschungen, die die Landbevölkerung immer und immer ertragen musste. Zu oft wurden sie zu Spielbällen von „Weißen“, Guerrillas und Konzernen, die sich an den wertvollen Rohstoffen des Landes bereichern wollten und nach wie vor wollen. Diesem fehlenden Grundvertrauen kann nur mit Sensibilität und viel Geduld entgegen getreten werden. In meinem Falle übernahmen diese Aufgabe Agraringenieure, die entweder selbst aus der Region stammen und die Bauern verstehen. Einmal weil sie die Sprache der Bauern (Quechua) sprechen, zum anderen weil sie in einer Gemeinschaft leben. Oder aber es ist geschultes Personal, das sich über lange Zeit ein Vertrauensverhältnis zu den Bäuerinnen und Bauern aufgebaut hat.

. . . und natürlich die Erfolgserlebnisse

Meine Erfahrung in den Bergen Perus war deshalb so schön, weil ich sehen konnte, was eine langfristige Zusammenarbeit von Organisationen oder auch Firmen bewirken kann. Die Quinoa-Bauern sind zufriedener, weil sie höhere Preise für ihre Rohstoffe erzielen, lernen wie sie selbst einen Mehrwert schaffen können, für sich und ihre Familien. Das dem nicht immer so, muss ich hier sicherlich nicht erwähnen, umso wichtiger ist ein ständiger direkter Kontakt mit den Produzenten, um Konfliktpotentiale rechtzeitig zu erkennen und vor allem um zu verstehen!

2013 – Jahr der Quinoa

Apropos, 2013 wurde von den Vereinten Nationen zum internationalen Quinoa-Jahr erklärt! Für Chisaya Mama (Quechua-Wort für „Mutter des Getreides“), also  Quinoa und die Quinoa-Kleinbauern ist dies von großer Bedeutung. Der weltweite Markt für weiße, rote und schwarze Quinoa wächst, und das so schnell, dass die Bauern in den kommenden Jahren kaum mit Umsatzeinbrüchen zu rechnen haben dürften.

Hier noch ein schönes Video aus einem der Quinoa-Anbaugebiete in Peru (Quelle: Terre des hommes – Hilfe für Kinder in Not):


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