Peru 2017 | El Niño überflutet das Land

El Nino lässt Peru im Chaos versinken. Wassermengen wohin man blickt und doch ist Trinkwasser Mangelware, das nur zu hohen Preise oder durch Plünderungen erworben werden kann. Fließendes Wasser ist selbst in Lima ein Privileg einiger weniger. Einfach erschreckend, was Gustavo aus Peru berichtet.

Peru im Ausnahmezustand

Gustavo kam, was unsere Produktionskette angeht, zu einem günstigen Zeitpunkt nach Peru. Weniger günstig und auch sehr überraschend setzten dieses Jahr jedoch starke Regenfälle, ausgelöst von El Niño ein, die in großen Teilen des Landes katastrophale Ausmaße annahmen. Flüsse treten über und überschwemmen Dörfer und Felder, Häuser werden weggespült und wichtige Zugangswege zur Hauptstadt Lima mussten gesperrt werden.

„Hier fühlt man sich wie im Krieg“, meinte Gustavo, als wir vor kurzem telefonierten. „Es führt kein Weg aus Lima heraus, noch herein. Die Wasserversorgung ist nicht mehr gesichert und selbst in der Hauptstadt gibt es tageweise kein fließendes Wasser mehr. In den Supermärkten kaufen die Menschen die Trinkwasser-Regale leer. Und die Plünderungen nehmen zu“ Es regnet, es regnet, nur große Teile der Wüstenstadt Lima bleiben staubtrocken, zumindest solange, wie die gesammelten Wassermengen im Fluss Rímac, der durch Perus Zentrum fließt, in Zaum gehalten werden können.

Für die Menschen in ärmeren Regionen, die von den Erträgen ihrer Landwirtschaft leben sind die starken Regenfälle existenzgefährdend. Für die Gesundheit stellen die Überschwemmungen und die reduzierte Versorgung mit sauberen Trinkwasser eine große Gefahr dar. Schulen wurden daher vorsichtshalber geschlossen. Und auch die Wirtschaft hat mit den Folgen von El Niño zu kämpfen. Wir hatten Glück, dass unsere Pferde und Einhörner in Lima eingetroffen sind, bevor Teile der Infrastruktur lahmgelegt wurden. Gestern sollten sich unsere beiden Neuzugänge auf die Reise nach Deutschland machen. Da Ubaldina, die für die Qualitätskontrolle in Lima und die Etikettierung der Kuscheltiere zuständig ist, jedoch Schwierigkeiten hat, sich einen Weg durch die Wassermassen zum Büro zu bahnen, können wir nur hoffen, dass es hier zu keiner allzu langen Lieferverzögerung kommt.

Doch was verbirgt sich eigentlich genau hinter El Niño

El Niño überflutet den Andenstaat Peru

Peru im Ausnahmezustand

„Das Kind“, klingt doch nett, oder? Nein, hier darf nicht wörtlich übersetzt werden. Bei El Niño ist das Christkind gemeint, nicht etwa weil es uns Schlechtes bringt, sondern vielmehr, weil dieses Wetterphänomen meist um die Weihnachtszeit auftritt, sodass peruanische Fischer es schlichtweg nach dem Christkind benannten.

El Niño bringt das Gleichgewicht der Unterwasserwelt durcheinander und führt zu starken Regenfällen auf dem Festland, in diesem Fall in Peru. Schuld daran sind die Winde, die aus unerfindlichen Gründen alle paar Jahre einmal aufhören in der gewohnten Heftigkeit zu wehen.

Wer schon einmal in Peru war weiß, dass das Pazifikwasser an der Küste recht kalt ist. Das liegt am Humboldtstrom, der eine kalte Meeresströmung meint. Von der Antarktis kommend, fließt er an der Westküste Südamerikas entlang. Zusätzlich steigt kaltes Wasser vom Meeresboden nach oben. Die Oberfläche wiederum kühlt ab, weil das warme Wasser von den starken Passatwinden, die zwischen der Westküste Südamerikas und der Ostküste Australiens wehen, weggetrieben wird.

Hören die Passatwinde jedoch auf so stark zu wehen, verbleibt das warme Wasser auf der Oberfläche und lässt demnach keinen Platz für das kühle Wasser am Meeresboden. Zusätzlich gelangt warmes Wasser aus Asien in die peruanische Küstenregion. Als Folge der erhöhten Wassertemperatur verenden Plankton und Meeresbewohner, die nicht rechtzeitig in andere Gewässer umsiedeln. Die Netze der Fischer bleiben leer und das Festland wird von starken Stürmen, Erdrutschen und Flutkatastrophen heimgesucht.

Zwar lebt man schon viele Jahre mit El Niño, doch trat diese Wetteranomalie bisher in größeren Zeitabständen auf. Alle 3-8 Jahre, erschütterte El Niño den Andenstaat. Diese Abstände scheinen sich zu verkürzen und die Natur schlägt mit immer größerer Wucht zu. Wollen wir hoffen, dass sich die Situation in Peru bald normalisiert und nicht allzu viele Menschen ihr Leben und/oder ihre Existenz lassen müssen.

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