Wie sieht eigentlich eine textile Produktionskette aus?

In Peru wird Mama Ocllo Babymode produziert. In diesem Beitrag erfahrt ihr, wie eine klassische Produktionskette aussieht und damit, welche Schritte notwendig sind, um aus Bio Baumwolle Strampler, Wickelbody und Mützchen entstehen zu lassen.

Kleine Betriebe arbeiten mit Kooperationspartnern

Wir arbeiten, wie ihr wisst, mit einem kleinen Familienbetrieb in Lima. Klein insofern, als dass Teilprozesse an kooperierende Zulieferer abgegeben werden. Gewebt, gefärbt und bedruckt wird außerhalb unserer Schneiderei. Geschnitten und genäht unter der direkten Obhut unserer Produzentin Mariella. Warum das so ist, wird deutlich, wenn man sich die Dimensionen und die Komplexität einer textilen Produktionskette ansieht.

Unternehmergespräche als Eintrittskarte in Produktionsstätten

Größere Produktionsstätten verfügen über die Maschinen und Arbeiter, um einen Großteil der Produktionskette ohne externe Zulieferer abzudecken. Allerdings wird nicht jedem direkter Einblick in besagte Produktionsstätten gewährt.

Die diesjährige Modemesse Perú Moda bot Einkäufern aus aller Welt die Möglichkeit an einer sogenannten Macrorueda de Negocios („Unternehmertreffen“) teilzunehmen. Eine Macrorueda de Negocios ist eine Art B2B Plattform, über die Einkäufern und Produzenten die Möglichkeit des persönlichen Austausches geboten wird.

Gustavo nahm für Mama Ocllo an diesem Event teil. Einen ganzen Tag lang hatte er Gelegenheit, kleine, mittelständische und große peruanische Produzenten aus der Textilbranche kennenzulernen. Dabei sind viele spannende Kontakte zu Unternehmen und Organisationen entstanden, die ein breites Portfolio an Produkten anbieten. Viel Raum also für künftige Produktentwicklungen und Kooperationen.

In diesem Zuge eröffnete sich uns neben den Unternehmergesprächen die Möglichkeit des Besuchs von Produktionsstätten.

Besichtigung einer peruanischen Produktionsstätte

Am Tag darauf saß ich im Bus Richtung Ate Vitarte, einem Bezirk gute 50 Minuten außerhalb von Lima Zentrum. Gemeinsam mit einer Gruppe brasilianischer Einkäufer erwartete mich die Besichtigung einer Produktionsstätte, die verschiedene Länder mit Textilien beliefert.

In Vitarte angelangt, betraten wir durch eine eiserne Tür, die nicht im entferntesten erahnen ließ, welch große Fabrikanlage sich dahinter befinden würde, die Produktionsstätte von Inca Cotton.

Hier nun eine kleine Fotostrecke zu den wichtigen Etappen einer textilen Produktionskette am Beispiel Inca Cottons:

(1) Die Rohbaumwolle gelangt aus verschiedenen Regionen nach Ate.

Exkurs zum Ursprung der Rohmaterialien: Pima Baumwolle wächst im Norden Perus, Tangüis Baumwolle südlich von Lima; zusätzlich werden Hindu Baumwollfasern aus Indien und amerikanische Fasern aus Nordamerika importiert. Warum Peru als Baumwollland Fasern importiert? Ganz einfach, Pima und Tangüis Baumwolle sind sehr teuer, Hindu und amerikanische Fasern günstiger und daher rentabler für große Produktionschargen.

Inca Cotton kauft also den Rohstoff Baumwolle ein, in konventioneller und/oder Bio Qualität, je nach Kundenwunsch.

(2) In einem zweiten Schritt, wird die Rohbaumwolle zu Garn versponnen.

(3) Aus dem Garn werden Stoffe gewebt.

Stoffherstellung-Peru-Bio-Baumwolle

Martina zu Besuch bei Textilfabrikant Inca Cottons: hier werden die Stoffe hergestellt.

Dabei können die Webmaschinen so kalibriert werden, dass Stoffe verschiedenster Arten entstehen: feine Interlock Stoffe, French Terry, Waffle, geringelte Stoffmuster, gepunktete Stoffe usw.

(4) Währenddessen wird die Färbung vorbereitet.

Farben-Textilindustrie-Peru-Produktionskette

In diesem Labor entstehen die gewünschten Farbnuancen.

In einem Labor werden die korrekten Farbnuancen ermittelt, kleine Stoffmuster gefärbt, optimiert, unter verschiedenen Lichtverhältnissen auf die Farbechtheit überprüft, gewaschen, gebügelt und nochmals optimiert, sollten die Abweichungen zum gewünschten Farbton zu groß sein.

(5) Sind die Stoffe gewebt und die Farben entwickelt, geht es an die Färbung.

Industrie-Waschmaschine-Peru-Produktionskette

In dieser industriellen Waschmaschine werden die Stoffe gefärbt.

Riesige industrielle Waschmaschinen übernehmen diese Aufgabe. In den meisten Fällen wird daher ab einer Mindestmenge von 100 kg Stoff je Farbton gefärbt, da bei zu kleinen Mengen der finanzielle und zeitliche Aufwand in keinem tragbaren Verhältnis zum Endprodukt stehen würde.

(6) Nach einigen Stunden werden die gefärbten Stoffe getrocknet und gebügelt.

Pima-Stoff-Peru-Produktionskette

Getrockneter und gebügelter Pima-Stoff

Konventionelle Stoffe werden teils noch chemisch ausgerüstet, d.h. mit Chemie behandelt. Somit werden die Stoffe knitterfrei, extra weich oder auch wasserabweisend. Im Fall von Biostoffen wird hierauf jedoch gänzlich verzichtet.

(7) In einem weiteren Schritt werden die Stoffe zugeschnitten, bedruckt und/oder bestickt. Und dann wird natürlich genäht.

Viele Schritte durchläuft also eine Baumwollfaser, bis ein fertiger Wickelbody zur Qualitätskontrolle antreten darf.

(8) Strenge Normen müssen bei der Qualitätskontrolle eingehalten werden.

Qualitätskontrolle Produktionskette

Qualitätskontrolle bei Inca Cottons

Ein gewisser Prozentsatz jeder Charge wird vom geschulten Blick der Qualitätsbeauftragten auf Fehler untersucht. Übersteigt die Fehlerquote eine bestimmte Menge, muss die gesamte Charge überprüft werden. Fällt die Qualitätskontrolle positiv aus, kann die Ware mit Hangtags und/oder Etiketten versehen und verpackt werden.

Ja und dann machen sich die Produkte auf die Reise zu ihren Einkäufern. Über Luft- oder Seefracht geht es in die USA, nach Australien, Europa oder Asien.

Auch wenn wir nicht vorhaben, mit einem so großen Produzenten wie Inca Cotton zu arbeiten, da dies nicht unserer Firmenphilosophie entspricht, so war der Besuch dieser peruanischen Produktionsstätte doch eine Bereicherung für mich. Ein sehr schön organisierter Betrieb, der auf den ersten Blick sichere Arbeitsplätze und ordentliche Arbeitsbedingungen bietet. Auch die Qualität der Produkte überzeugte.

Und doch sind wir froh, unseren kleinen Familienbetrieb gefunden zu haben, der erstklassige Produkte für Mama Ocllo herstellt, sich kontinuierlich weiterentwickelt und mit uns gemeinsam wächst.

 

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