Weltwunder Machu Picchu

Machu Picchu wurde am 7.7.2011 in die Liste der Weltwunder aufgenommen. Heute jährt sich die Wiederentdeckung der Ruinenstadt durch den nordamerikanischen Historiker Hiram Bingham zum 102. Mal.

Die Wiederentdeckung von Machu Picchu

Hiram Bingham

Quelle: AFP © sueddeutsche.de/dpa/kaeb/boen

Mittlerweile weiß man, dass es nicht Hiram Bingham war, der Machu Picchu („Alter Gipfel“) 1911 im peruanischen Hochland-Regenwald auf 2430m Höhe wiederentdeckte, und dennoch haben wir es ihm zu verdanken, dass wir dieses wundervolle Relikt aus der peruanischen Vergangenheit besuchen und bestaunen können. Denn ohne die enorme finanzielle und zeitliche Investition von Bingham, seiner Sponsoren und seines Forscherteams müssten wir uns noch heute durch ein Dickicht von Pflanzen und Wurzelwerk kämpfen, um dahinter eine Stadt ausmachen zu können. Denn erst in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts war Machu Picchu soweit freigegraben und restauriert, dass die ersten Touristen einen Blick darauf erhaschen konnten.

Ruinenstadt Machu Picchu

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In alten Schriften und Reiseberichten hatte Bingham von der Existenz einer Zitadelle im Urubamba-Tal gelesen. Zunächst vermutete er dahinter den letzten Rückzugsort der Inka, Vilcabamba, bevor diese der spanischen Vorherrschaft zum Opfer fielen. Umso größer war seine Überraschung, als er in Begleitung des Peruaners Melchor Arteaga über Steilhänge zu einer Ruinenstadt gelangte, die später den Namen Machu Picchu tragen sollte.

Was weiß man über Machu Picchu?

Schenkt man den Quellen und Chroniken Glauben, so wurde die Andenstadt mitte des 15. Jahrhunderts von Pachacútec, dem neunten Inkaherrscher erbaut. Dabei soll es sich um keine Festung sondern vielmehr um einen Ort der Ruhe und des Rückzugs gehandelt haben.

Etwa 100 Jahre nach der spanischen Eroberung im Jahr 1532 fiel das Land rund um Machu Picchu in die Hände des Augustinerordens. Kartenmaterial aus dieser Zeit belegt die Existenz der Hochgebirgsstadt. Weitere 200 Jahre später machte sich der deutsche Augusto Berns auf die vergebliche Suche nach Gold. Man weiß auch, dass die lokale peruanische Bevölkerung den Ort kannte.

Über das Leben der einst dort ansässigen Menschen hingegen konnte man bisher verhältnismäßig wenig in Erfahrung bringen. Aufschluss darüber geben in erster Linien die ca. 6000 Fundstücke, die Bingham zu Forschungszwecken zunächst mit nach Nordamerika nahm; darunter in erster Linien Keramik wie Trinkgefäße, Schalen und Figuren.

Anders ist dies in Hinblick auf die Landwirtschaft und Architektur von Machu Picchu. Charakteristisch und zugleich so einzigartig für die peruanischen Anden sind die Terrassenbauten, über die Anbauflächen verschiedenster Kartoffel- und Getreidesorten mit einer kontinuierlichen Wasserzufuhr versorgt wurden und die den Anbau auf verschiedenen Klimastufen ermöglichten. Viele Menschen konnten auf diese Weise mit Nahrungsmitteln versorgt werden.

Architektonische Meisterleistung

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Die Architektur, die sich kaum von den Steinmauern in Cuzco unterscheidet, fasziniert durch das exakte Aufeinanderschichten von Steinkolossen, was Mörtel überflüssig machte. Wie dies ohne Rad oder ähnliche Hilfsmittel technisch möglich war, bleibt weiterhin ein Geheimnis.

Sagenumwobenes Machu Picchu

Unter den 216 Steinbauten lassen sich Unterkünfte und zeremonielle Orte erkennen. So mancher vermutet hinter den heutigen Ruinen eine unvergleichbare Pracht, die dieser magische Ort einst gekennzeichnet haben soll: mit Gold überzogene Mauerwerke und wertvolle Gefäße, wunderschöne Relikte, die man bei Ankunft der nach Edelmetall gierenden Spanier geschickt verschwinden ließ.

Andere wiederum sehen in Machu Picchu einen rituellen Rückzugsort, der Menschenopfer forderte und ganz dem inkaischen Sonnengott Inti gewidmet gewesen sei.

Eben diese Unwissenheit, die Mythen, die sich um Machu Picchu entwickelt haben, lassen das heutige UNESCO Weltkulturerbe zu dem werden, was es in den Köpfen der meisten Menschen ist: ein sagenumwobener Ort, der viel Raum für Fantasie lässt und daher jährlich Massen von Touristen anzieht.

Machu Picchu – Touristenattraktion Nr. 1 in Peru

Machu Picchu

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Wie bereits erwähnt, erreichten die ersten Touristen etwa 30 Jahre nach Binghams Expedition Machu Picchu. Seither nimmt der Besucherstrom Jahr für Jahr zu und dies so stark, dass die tägliche Besucherzahl eingeschränkt werden musste. 2011 zählte man ca. 800.000 Besucher pro Jahr (sz), Grund dafür, dass das peruanische Kulturinstitut entschied, künftig max. 2500 Besuchern pro Tag den Zutritt zu erlauben.

Die Kontrollen sind streng. Das betreten der Terrassen ist verboten und der Aufstieg auf den Wayna Picchu, jener Gipfel, der auf keinem Foto zu übersehen ist und von dem aus man einen herrlichen Blick auf das gesamte Terrain hat, ist auf 300 Personen pro Tag beschränkt.

Pachacútec

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Die Logistik ist gut ausgebaut. Ein Zug bringt die Touristen zunächst von Cuzco aus nach Aguas Calientes, dem unterhalb von Machu Picchu gelegenen Städtchen, das den meisten als Ausgangspunkt dient. Von dort aus fahren in regelmäßigen Abständen Busse hinauf zu den Pforten der inkaischen Ruinenstadt.

Beliebt bei Besuchern mit guter Kondition sind außerdem die mehrtägigen gut organisierten Wanderungen, die einen Aufstieg über serpentinenartige Wege ermöglichen. Da Kreislaufschwächen keine seltene Begleiterscheinung sind, empfehle ich hier auf jeden Fall sich einer Reisegruppe mit erfahrenen Bergführern anzuschließen.

Der Stolz vieler Peruaner

Machu Picchu ist zum nationalen Symbol für viele Peruaner geworden, der heutzutage untrennbar mit Peru verbunden ist. Es hat den Andenstaat in die Weltöffentlichkeit gerückt, ist eine wichtige Einkommensquelle und ein Relikt aus der inkaischen Vergangenheit, auf das man in weiten Teilen des Landes ungemein stolz ist.

Peru war lange Zeit ein unterdrücktes Land, hatte sich den Bräuchen, der Sprache und den Sitten der spanischen Kolonialherren anzupassen. Doch Peru ist mehr, denn es blickt auf ein kulturelles Erbe zurück, das es zu den Hochkulturen unseren Planeten werden lässt.

Mit Machu Picchu hat man neben den Linien von Nazca, denen die Dresdnerin Maria Reiche ihr Leben widmete, und den zahlreichen Huacas („heilige Stätten“) an der Küste und in den Anden einen Schatz wiederentdeckt. Schon jetzt weiß man, dass dies nicht der letzte große Fund in Peru sein wird. Noch nicht vor allzu langer Zeit stießen Forscher im Norden von Peru auf eine bisher unbekannte Stadt und aufgrund der Weitläufigkeit des Landes lassen sich noch viele weitere geheimnisvolle Orte vermuten. Den Archäologen wird also in Peru nicht so schnell die Arbeit ausgehen!

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