Die Baumwollfaser | Crashkurs Baumwolle

Baumwolle ist ein Begriff, der jedem geläufig ist. Doch habt ihr euch schon einmal gefragt, warum sich Kleidungsstücke aus Baumwolle von verschiedenen Herstellern unterschiedlich anfühlen? Wir zeigen euch, wieso das so ist.

Definition von Baumwolle

Baumwolle (lat. Gossypium) zählt du den pflanzlichen Fasern, die aus Zellulose, dem Grundstoff aller Pflanzen, bestehen. Diese Kulturpflanze ist schon seit mehreren tausend Jahren bekannt und wurde einst von mindestens vier Völkern unabhängig voneinander angebaut.

Baumwollfaser Pima Baumwolle Biowolle

Woher kommt die Baumwolle?

Gossypium hirsutum

Ursprung: Zentralamerika/Mexico (Yucatán)
heute 90% der gesamten Baumwollproduktion
Faser- bzw. Stapellänge: 25 – 30mm
Verwendung: Bekleidung für Erwachsene und Kinder

Gossypium barbadense

Ursprung: Südamerika/Nordperu
heute 5 – 8% der Weltproduktion
Faser- bzw. Stapellänge: über 32mm
Verwendung: Bekleidung für Babys, Kleinkinder und Erwachsene

Gossypium herbaceum

Ursprung: Südafrika/Subsahara
heute 1-2% der Weltproduktion
Faser- bzw. Stapellänge: unter 25mm (kurze, grobe Faser)
Verwendung: vor allem für Bettwäsche und Bekleidung für Erwachsene

Gossypium arboreum

Ursprung: Asien/Pakistan und Indien
heute 1-2% der Baumwollproduktion
Faser- bzw. Stapellänge: unter 25mm (kurze, grobe Faser)
Verwendung: Bekleidung

Welche Baumwollfaser-Arten sind bis jetzt bekannt?

Das wichtigste Unterscheidungs- und Qualitätsmerkmal ist die Länge der jeweiligen Baumwollfaser.

Die Rohbaumwolle wird nach den jeweils längsten Fasern in folgende Klassen eingeteilt:

  • Kurzstapel: Baumwollfaser mit einer Länge bis 26mm, z.B. Gossypium herbaceum, Gossypium arboreum
  • Mittelstapel: Baumwollfaser mit einer Länge von 26 bis 29mm, z.B. Gossypium hirsutum
  • Langstapel: Baumwollfaser mit einer Länge von 30 bis 38mm, z.B. Gossypium barbadense
  • Extremlongstapel: Baumwollfaser mit einer Länge ab 39mm, z.B. Gossypium barbadense insb. Pima Baumwolle

Welche Baumwollart hat die höchste Qualität?

Die Qualität hängt also in erster Linie von der Faserlänge ab. Umso länger die Baumwollfasern sind, desto hochwertiger ist die entsprechende Baumwollart.

Qualitativ am hochwertigsten sind die Fasern der Gossypium barbadense (peruanische Pima, ägyptische Mako und Sea-Island Baumwolle). Obwohl Pima auch in Australien und den USA kultiviert wird, bieten die fruchtbaren Flusstäler im Norden Perus, neben dem Nildelta in Ägypten, die besten klimatischen Bedingungen und liefern daher die feinsten Baumwollfasern auf der ganzen Welt.

Die Eigenschaften von Pima Baumwolle:

  • Haptik: kuschelig weich und samtig glatt, aufgrund des hohen Feinheitsgrades und einer Faserlänge von mehr als 35mm
  • Thermik: besonders temperaturausgleichend und atmungsaktiv aufgrund der isolierenden Wirkung der Pimafaser, die die Körperwärme im Winter speichert und bei Hitze im Sommer regulierend wirkt
  • Anti-Allergen: besonders gut für Babys mit Hauptproblemen, wie Neurodermitis, geeignet
  • Tragegefühl: weich wie Seide, extrem leicht und luftig
  • Optik: natürlich seidig schimmernder Glanz, der normalerweise nur durch Merzerisieren erreicht wird
  • Langlebigkeit: wesentlich widerstandsfähiger als andere Baumwollarten

Besonderheit Peru: peruanische Pima Baumwolle wird handgepflückt und handverlesen. Es sind keine Entlaubungsmittel notwendig und dadurch werden nur reife Faser geernt, d.h. es werden keine schlechten Faser oder Unreinheiten der Baumwollpflanze geernt. Hochwertige Rohbaumrohwolle kann nur durch Pflücken per Hand erzielt werden, weil die kostbaren Naturfasern bei maschineller Ernte durch die Beschädigung des Baumwollkerns verunreinigt und verfärbt werden kann.

Was ist der Unterschied zwischen konventioneller und Bio-Baumwolle?

25% aller Insektizide und 10% aller Pestizide auf der Welt werden für den Anbau konventioneller Baumwolle benutzt. Die beim Anbau sowie im Verarbeitungsprozess  eingesetzten chemischen Substanzen verschmutzen Grundwasser, Boden und damit den natürlichen Lebensraum von Fauna und Flora. Der Einsatz von chemischen und krebserregenden Stoffen führt häufig zu Erkrankungen der Baumwollbauern und kann sich negativ auf die Gesundheit des Endverbrauchers auswirken. Hauterkrankungen und Kontaktallergien werden oftmals auf chemiebelastete Kleidung zurückgeführt. Nicht zuletzt führen Schadstoffe beim Anbau und der Weiterverarbeitung zu Qualitätseinbußen, die in einer kürzeren Lebensdauer der Textilien resultieren.

Beim Anbau und bei der Verarbeitung der Baumwolle aus ökologischem Landbau wird auf chemische Umweltgifte (Insektizide, Pestizide und Entlaubungsmittel) verzichtet. Stattdessen werden natürliche Düngemittel und Methoden der Unkraut- und Schädlingsbekämpfung angewendet. Auch in der Weiterverarbeitung wird bei hochwertigen Bio-Textilien auf unnötige Chemie verzichtet. Man setzt auf die natürlichen Eigenschaften der Baumwolle und verzichtet bewusst auf chemische Ausrüstungen, die der augenscheinlichen Verbesserung (Farbe, Glanz, Widerstandskraft, optisches Aufhellen etc.) des Endproduktes dienlich sein könnten.

Die pflanzlichen Fasern sind von Natur aus wunderbar atmungsaktiv und anti-allergen. Daher eignen sich Baumwollstoffe besonders gut für hautsensible Menschen, Babys und kleine Kinder. Gerade bei den Kleinsten sind die körpereigenen Abwehrstoffe noch nicht vollends entwickelt, was bedeutet, dass Schadstoffe umso schneller über die Haut in den Organismus gelangen.

Bio-Siegel wie GOTS (Global Organic Textile Standard) garantieren übrigens neben der Umweltverträglichkeit auch die sozialverträglichen Arbeitsbedingungen innerhalb der gesamten Produktionskette.

 

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