Ein Blick hinter die Kulissen der Kaufhaus-Biobranche

Auf der INNATEX hielt Herr Norbert Henzel, Dipl.-Chemiker und Lehrbeauftragter der Universität Oldenburg, einen interessanten Vortrag zu dem Thema „Wie große Vertreter der konventionellen Textilindustrie versuchen den IVN-Standards hinterher zu hecheln“.

Als Spezialist in den Bereichen Textilökologie und Textilproduktion gewährte er uns wertvolle Einblicke hinter die Kulissen von Kaufhausriesen und Discountern, die in ihrer Geschäftsstrategie zunehmend auf Nachhaltigkeit setzen.

Ein paar interessante Infos vorab

C&A hat sich zum Ziel gesetzt, sein gesamtes Sortiment an Baumwollbekleidung bis zum Jahr 2020 auf bio-zertifizierte Baumwolle umzustellen (Pressemitteilung C&A vom 8.3.2012). Und auch H&M setzt künftig immer mehr auf Bio-Baumwolle. Sollten diese Ziele tatsächlich erreicht werden, wäre dies ein großer Schritt in Richtung flächendeckend nachhaltige Produktion von Rohstoffen. Gesund für die Umwelt und gut für viele kleine Produzenten, die von einer langfristigen Preissenkung der Bio-Baumwolle profitieren könnten.

Aber Vorsicht! Wichtig ist schon jetzt immer genau auf die Bio-Labels zu achten, denn erst auf diese Weise kann man sich der Bio-Qualität des Produktes sicher sein. So besagt beispielsweise das häufig verwendete Label „Organic Exchange Blended„, dass 5% der verarbeiteten Baumwolle den Richtlinien des ökologischen Anbaus entsprechen müssen; sprich 95% dürfen chemiebehaftet sein.

Eckdaten des Vortrags von Norbert Henzel

In die Schlagzeilen gerieten letztes Jahr  diverse Kaufhausketten, nachdem es zu Fabrikbränden in den entsprechenden Produktionsländern Bangladesch und Pakistan kam. Aufgrund fehlender Brandschutzverordnungen mussten Hunderte von Arbeitern ihr Leben ließen. Dass hier künftig stärkere Kontrollen notwendig sind steht außer Frage!

Schlussfolgerung

Der Weg hin von konventioneller zu ökologischer Produktion ist sicherlich der Richtige. Er führt dazu, dass der Konsument sein Kaufverhalten ändert indem er nachfragt und Kriterien wie Nachhaltigkeit und Gesundheit in seine Kaufentscheidungen einfließen lässt.

Das Angebot passt sich allmählich der veränderten Nachfrage an, es sprießen ständig neue Bio-Labels aus dem Boden, Kaufhausketten richten Nachhaltigkeitsabteilungen ein und basteln an ihrer Marketingstrategie.

Dagegen spricht grundsätzlich nichts, im Gegenteil. Jedoch wird der Markt schnell unübersichtlich, vieles wird absichtlich der Öffentlichkeit vorenthalten, und die Standards hinter dem Dschungel an Bio-Labels kennen nur wenige.

Umso wichtiger, dass es Verbände wie den IVN gibt, die Wege aus dem Bio-Labyrinth zu zeigen versuchen. So erarbeitet der IVN gerade mit einer 15-köpfigen Arbeitsgruppe von NGOs und akkreditierten Zertifizierern eine Plattform, die für eine bessere Transparenz sorgen soll.

Eine hervorragende Arbeit leistet auch Frau Schaus, langjährige Mitarbeiterin des Institute for Marketecology (IMO) in der Schweiz und Gründerin der Labelschule it fits – Organic Textile Partner. In regelmäßigen Newslettern informiert sie mit ihrem Team über alles Wissenswerte aus der Bio-Branche. Besonders empfehlen kann ich die bereits erwähnte Labelschule, die ein Licht in das Dunkel das Bio-Dschungels bringt. Hier kann sich der Konsument über die gängigsten Bio-Zertifikate wie bsp. Fairtrade und OEKO-TEX® informieren. Das spart dem bewussten Einkäufer eine Menge Recherchearbeit und hilft zu entscheiden, ob das zertifizierte Produkt auch wirklich hält was es verspricht.

Bio-Landbau ist ein erster wertvoller Schritt in Richtung nachhaltiger Konsum, Transparenz ein weiterer.

Und selbst wenn es nicht im Interesse aller Unternehmen ist, die Produktionskette offen zu legen, so wird man langfristig nicht umhinkommen, dem Bedürfnis des bewussten Konsumenten nach Transparenz gerecht zu werden.

Welche Rolle spielt Transparenz für euch? Worauf achtet ihr besonders beim Kauf eurer Produkte?

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