Vegetarier aus ethischen Gründen: meine ganz persönliche Geschichte

Grüner Lifestyle, LOHAS, nachhaltiger bewusster Konsum, die Welt wird wieder grüner und gesünder. Aus Öko-Freaks, Vegetariern und Veganern sind Trendsetter geworden. Veggie-Lifestyle meint die Lebensweise von Verfechtern einer vorwiegend pflanzlichen Ernährungsweise. Rund 11% der deutschen Bevölkerung stellen aktuell Vegetarier und Veganer, und die Tendenz ist steigend.

Grüner Lifestyle: IN ist, was die Wunden unseres Planeten heilt; OUT ist, was ihm neue Wunden zufügt

Out ist alles was giftig ist, was krank macht, Leben vernichtet, die Abholzung fördert, das Ozonloch vergrößert und die Böden übersäuert. Eben alles, das die natürliche Lebensgrundlage der Erdenbewohner unnötig gefährdet.

Dieses allmähliche Umdenken der Bevölkerung in Richtung grüner und nachhaltiger Lifestyle ist eng mit einem globalen Bewusstseinswandel verbunden. Das Wissen um die Knappheit an Ressourcen, moderne Zivilisationskrankheiten und neue Medien, die eine nachhaltige Lebensweise propagieren, tragen entscheidend zu dieser Trendwende bei.

Dabei gibt es viele verschiedene Ansätze, mit denen jeder für sich im Kleinen zu einem grüneren Planeten beitragen kann. Das kann der vermehrte Konsum an nachhaltig produzierten Kleidungsstücken sein, der Umstieg auf erneuerbare Energien, oder aber die Umstellung auf eine bewusstere Ernährungsweise. Um letzteres soll es in diesem Beitrag gehen.

„Willst du die Welt verändern – dann beginne bei dir selbst.“ (Gandhi)

Das Umdenken fängt meist bei einem selbst an. Gesundheitliche Probleme, prägende Erfahrungen, ein mitreißender Bericht im Fernsehen. Auslöser oder auch Wachrüttler gibt es zur Genüge.

An dieser Stelle möchte ich euch meine ganz persönliche Geschichte erzählen, und zwar jene Geschichte, die mich vor 20 Jahren zum Vegetarier werden ließ. Der Verzicht auf Fleisch bedeutete und bedeutet für mich auch heute noch einen ersten Schritt hin zu einer besseren Welt, in der jedem Lebewesen dieselbe Wertschätzung entgegengebracht wird.

Weshalb ich mich entschied, Vegetarier zu werden und tierunwürdige Einrichtungen zu meiden

Mit Eintritt in die Pubertät begann auch ich die Welt aus anderen Augen zu sehen. Ich fing an Sachverhalte zu hinterfragen und entwickelte eine kritische Betrachtungsweise auf die Geschehnisse um mich herum.

Der Zirkus: herabwürdigende Bedingungen für tierische Artisten

Mein Fokus lag damals auf der Tierwelt. Ich liebte Tiere und fing schon früh an, eine Abscheu gegen Zirkusse zu entwickeln. Denn meine jugendliche Neugier führte mich nicht nur einmal hinter die Zeltwände zu Pferd und Co. Es schmerzte mich die Striemen der harten Dressur und die abgemagerten Tiere zu sehen. Zumal mir dadurch bewusst wurde, dass das Tier zum reinen Gebrauchsgegenstand degradiert wurde und die Einnahmen in die Bäuche der Zirkusdirektoren flossen. Nicht nur einmal schmiedete ich Entführungsplane, um zumindest einige wenige Tiere aus ihrer erbärmlichen Situation zu befreien. Letztlich siegte dann aber doch die Vernunft und mir blieb nichts anderes übrig als die Augen zu verschließen während mein Herz blutete.

Auf dem Portal animalEQUALITY habe ich ein sehr treffendes Zitat des Anthropologen Dr. Desmond Morris gefunden:

“Die Auffassung, dass es unterhaltsam ist, Tiere zu betrachten, die gezwungen werden, sich wie ungeschickte Menschen zu benehmen oder dass es Spaß macht, mächtigen Tieren zuzusehen, wie sie sich vor der Peitsche zusammenkauern und erniedrigen, unterstützt die alte Idee, dass wir den Tieren anderer Spezies überlegen sind und das Recht haben sie zu unterdrücken.”

Apropos, hier könnte sich Deutschland eine Scheibe von Peru abschneiden, denn der Andenstaat verbietet seit 2011 Wildtiere in Zirkussen. Das ist ein guter Anfang in Richtung tierfreie Zirkus-Unterhaltung (Source: Go Vegan).

Zoos: eine weitere Form der Freiheitsberaubung

Auch kann ich mich noch gut an einen Besuch im Zoo erinnern, wo ich durch eiserne Gitterstäbe einen schwarzen Panther beobachtete, der in seinem kleinen Gefängnis apathisch auf und ab marschierte. Kennt ihr „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke?

Diese Zeilen des Gedichtes fallen wir in Verbindung mit diesem Erlebnis immer ein:

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Viele viele Jahre liegt mein letzter Zoobesuch nun zurück. Ich weiß, dass sich in dieser Zeit viel getan hat, man immer mehr Wert auf eine artgerechte Tierhaltung legt. Und sicherlich werde ich früher oder später mit Miguelito durch einen Zoo spazieren, um ihm unsere faszinierende Tierwelt zu zeigen und mich von den veränderten Bedingungen zu damals überzeugen wollen. Aber die Erinnerung an die Eindrücke aus meiner Kinderzeit bleibt und ich bezweifle, dass sich meine Einstellung zu Zoos ändern wird.

Robbenjagd: der Auslöser meines vollständigen Fleischverzichts

Und da ist noch ein grauenvolles Bild, an das ich nur zu gut erinnern kann. Mit etwa 11 Jahren sah ich eine Dokumentation im Fernsehen. Ich weiß nicht mehr viel von der Reportage, doch eine Szene wird mich wohl ein Leben lang begleiten.

Ich sah ein kleines weißes Robbenbaby, das mutterseelenallein auf dem Eis saß und mit seinen treublickenden Äuglein zu einem Mann aufsah, der eine Axt in der Hand hielt, ausholte und das Robbenbaby erschlug.

Weinend saß ich vor dem Bildschirm und entsetzt über die menschliche Grausamkeit beschloss ich, künftig nie wieder Fleisch zu essen. Und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Und auch hier fällt mir eine einprägsame Geschichte ein, die ich letztens in meinem Yoga-Kurs gehört habe. Es handelt sich um die Schlüsselstelle in dem buddhistischen Buch Die Kuh, die weinte von Ajahn Brahm. Darin wird auf eindrucksvolle Weise beschrieben, wie eine Kuh einem der gewalttätigsten Männer in einer Haftanstalt zeigt, was „sich kümmern“ bedeutet. Beim Vegetarierbund Deutschland könnt ihr die Geschichte online nachlesen.

Vegetarier aus ethischen Gründen: jetzt versteht ihr warum

Oft werde ich gefragt, warum ich Vegetarier bin. Diese Frage habe ich nun hoffentlich beantwortet, denn das was das Ziel dieses Artikels.

Bevor ich diesen Beitrag mit einem finalen Punkt abschließe, noch eine wichtige Anmerkung. Meine Absicht hinter diesem Beitrag kennt ihr nun. Dennoch möchte ich an dieser Stelle nochmals betonen, dass ich lediglich meinen ganz persönlichen Weg zu einer vegetarischen Ernährung erzählen wollte. Keineswegs ist es mein Ziel, Fleischkonsumenten zu kritisieren, denn jedem Menschen ist und bleibt es selbst überlassen welche Lebensweise er für sich und seine Familie als richtig und gut erachtet. Ich respektiere die Entscheidung eines jeden Einzelnen und es steht nicht in meiner Macht, mir ein Urteil über die Lebensweise eines anderen zu bilden.

Auch unser Miguel soll seine Entscheidung alleine treffen, sobald er alt genug ist. Und bis dahin bleibt mir nur, ihm eine vegetarische Ernährung schmackhaft zu machen. Fleischkonsum verbieten werde ich ihm nicht. Doch manchmal ist es das Beispiel, das man vorlebt oder sind es die richtigen Antworten auf Fragen, die den Wunsch entstehen lassen, selbst einen Beitrag zu einer grüneren Zukunft leisten zu wollen.

Und für welchen Weg habt ihr euch entschieden, um unsere schöne Welt wieder etwas grüner und gesünder werden zu lassen?

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