Den Mutterpass verstehen (1) | Die Blutgruppenzugehörigkeit

Warum ist die Bestimmung der Blutgruppe zu Beginn der Schwangerschaft wichtig? Grund dafür ist, dass es in manchen Fällen zu einer Blutgruppen- oder Rhesusunverträglichkeit kommt. Dies ist dann der Fall, wenn Blutgruppe oder Rhesusfaktor von Mutter und Kind nicht kompatibel sind.

Blutgruppe und Rhesusfaktor

Den Mutterpass verstehen - Die Blutgruppenzugehörigkeit

Den Mutterpass verstehen: Blutgruppe und Rhesusfaktor

Es gibt 4 verschiedene Blutgruppen: A, B, AB und O. Die jeweilige Blutgruppe wird wiederum über die Eigenschaften der Eiweißstrukturen (Antigene) bestimmt, die sich auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen befinden. Blutgruppe A heißt also nichts anderes, als dass sich auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen Antigene der Sorte A befinden.

Auch der Rhesusfaktor wird über die Oberfläche der roten Blutkörperchen bestimmt. Ist auf der Oberflächenstruktur das Protein Antigen-D vorhanden, so spricht man von einer Rhesus-positiven Blutgruppe, andernfalls von einer Rhesus-negativen Blutgruppe.

Im Mutterpass findet ihr also zunächst eure Blutgruppe (A, B, AB, O) und im Anschluss die Bestimmung des Rhesusfaktors (Rh pos. / RH neg.).

Die genaue Bestimmung von Blutgruppe und Rhesusfaktor ist deshalb so wichtig, weil es hier bei Inkompatibilität zwischen Mutter und Kind zu einer Unverträglichkeit kommen kann, die sich bei weiteren Schwangerschaften negativ auf das Baby auswirken kann.

Überblick über die wichtigsten Begrifflichkeiten

Da nicht jede/r mit den Begrifflichkeiten des Blutuniversums vertraut ist, hier vorab ein kurzer Überblick über all jene Termina, die ihr kennen solltet, um zu verstehen, was unter einer Blutgruppe- oder Rhesusfaktorunverträglichkeit zu verstehen ist:

  • Erythrozyten: rote Blutkörperchen, die den Sauerstoff im Körper transportieren
  • Antigene: Eiweißstrukturen, die sich auf der Oberflächenstruktur der Erythrozyten befinden
  • Antigen-D: ein bestimmtes Protein auf der Oberfläche der Erythrozyten, das den Rhesusfaktor bestimmt
  • Rhesusfaktor positiv (Rh pos.): das Antigen-D ist vorhanden
  • Rhesusfaktor negativ (Rh neg.): das Antigen-D ist nicht vorhanden
  • Antikörper: die roten Blutkörperchen von Blutgruppe A werden normalerweise von Antikörpern gegen das B-Antigen umgeben und umgekehrt; Aufgabe der Antikörper ist es, die jeweilige Blutgruppe vor dem Kontakt (Bluttransfusion oder Schwangerschaft) mit einer fremden Blutgruppe zu schützen

Wie kommt es zu Unverträglichkeiten?

Grundsätzlich unterscheidet man eine Blutgruppen-  und eine Rhesusunverträglichkeit, wobei letzteres deutlich größere Gefahren für das Baby in sich birgt.

Blutgruppen (ABO)-Unverträglichkeit

Zu einer ABO-Unverträglichkeit kann es kommen, wenn die werdende Mutter Blutgruppe O, das Baby Blutgruppe A oder B aufweist.

Anders als bei den Blutgruppen A, B und AB weist Blutgruppe 0 keinerlei Antigene auf. Dafür sind die roten Blutkörperchen der Sorte 0 von zweierlei Antikörpern umgeben: A und B. Kommt Blutgruppe 0 nun in Kontakt mit Blutgruppe A oder B kann es zu Reaktionen des Immunsystems kommen.

Da jedoch erst gegen Ende der Schwangerschaft feststeht, welche Blutgruppe das Baby aufweisen wird, haben die Antikörper bis zuletzt nur eine sehr ungenaue Angriffsfläche. Aus diesem Grund ist eine Blutgruppenunverträglichkeit hier, wenn überhaupt, nur mit geringen Auswirkungen auf das Baby verbunden. Neugeborenen-Gelbsucht könnte eine Folge davon sein.

Wesentlich häufiger als eine Blutgruppenunverträglichkeit kommt eine Unverträglichkeit hinsichtlich des Rhesusfaktors vor. Dies ist der Fall wenn die Mutter Rh neg. und das Baby Rh pos. ist.

Rhesusunverträglichkeit

Da der Rhesusfaktor vererbt wird, kann es nur dann zu einer Inkompatibilität kommen, wenn die Rhesusfaktoren von Mutter und Vater nicht übereinstimmen; wenn die Mutter also Rh pos. und der Vater Rh neg. ist oder umgekehrt.

Ist die Mutter Rh pos. besteht keinerlei Gefahr für das Baby. In diesem Fall ist im Blut der Mutter das Protein Antigen-D vorhanden. Kommt das Blut der Mutter nun mit dem des Kindes in Kontakt findet es in letzterem keinerlei Bestandteile, die ihm fremd wären und die es bekämpfen müsste. Denn wie im alltäglichen Leben ist es auch bei unserem Blut: was man nicht kennt, wird häufig erst einmal bekämpft. In unserem Blutkreislauf sind es sogenannte Antikörper, die immer dann auftauchen, wenn sie in Kontakt mit fremdem Blut geraten, das unbekannte Merkmale aufweist.

Gefährlich kann es erst dann werden, die werdende Mutter Rh neg. und das Baby Rh pos. ist. In diesem Fall kommt es im Blut der Mutter zu einer Antikörperbildung. Das Baby weist das Antigen-D auf, das Mamas Blut unbekannt ist. Die Antikörper nehmen sofort ihre Arbeit auf und bekämpfen im Blutkreislauf des Babys die Rhesus-positiven Blutzellen.

Ist das gefährlich fürs Baby? Ja, allerdings erst, wenn es sich um die zweite Schwangerschaft handelt. Hier können Blutarmut, Gehirnschäden oder Gelbsucht als Folge der Unverträglichkeit auftreten. Ohne eine gezielte Behandlung kann eine Rhesusunverträglichkeit sogar lebensbedrohlich sein.

Gefahr erst ab der zweiten Schwangerschaft

Die Antikörperbildung setzt während der Geburt ein, sobald es aufgrund der Plazenta-Ablösung und/oder durch Geburtsverletzungen zu einem Blutaustausch zwischen Mutter und Baby kommt. Erst wenn ein oder mehrere Tropfen des kindlichen Blutes in den Blutkreislauf der Mutter gelangen, setzt die Antikörperbildung ein.

Eine Gefahr für das Baby aus dieser ersten Schwangerschaft besteht also nicht. Doch das immunologische Gedächtnis der Frau speichert die Antikörperbildung ab. Kommt es bei der zweiten Schwangerschaft erneut in Kontakt mit dem Antigen-D (Baby ist Rh pos.) entstehen Antikörper bereits vor der Geburt, die in den Blutkreislauf des Ungeborenen eindringen, die Sauerstoffversorgung gefährden und gesundheitliche Schäden zur Folge haben können.

Stellt der Gynäkologe also bei der anfänglichen Blutuntersuchung fest, dass die Schwangere Rh neg. ist, erhält die sie während der Schwangerschaft und direkt nach der Entbindung Anti-D-Immunglobulin, was die Entstehung von Antikörpern verhindert. Somit besteht auch für spätere Schwangerschaften keine Gefahr für das Baby.

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