Peru 2017 | Lieferantenbesuche

Gustavos Zeit in Südamerika hat mit dem gestrigen Tage sein Ende genommen, zumindest für den Augenblick. Doch auch dieses Jahr blieb neben der Familie genug Zeit für Lieferantenbesuche. Was er die vergangenen Wochen in unserem Produktionsland erlebte, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

In Peru ticken die Uhren anders

Wer mit Peru arbeitet, braucht Zeit und eine Menge Geduld. Die Zeit ist während unserer 3 bis 4-wöchigen Besuche im Jahr stets knapp bemessen und so gibt es selten Verschnaufpausen und Momente, um die Seele baumeln zu lassen.

Dazu muss man wissen, dass Lima eine riesige Stadt mit über 8,4 Millionen Einwohnern ist. Der Verkehr kommt nicht ganz an den indischer Großstädte hin (denn dort sind selbst Limeños zeitweise überfordert), doch wer erwartet, eine Distanz von 3-4 km in wenigen Minuten zurückzulegen, der wird schnell eines Besseren belehrt.

Und so wird aus einem Lieferantenbesuch inkl. Anreise aus geplanten 2 Stunden oftmals eine Halbtagesbeschäftigung. Dieses Jahr traf Gustavo zu einem glücklichen Zeitpunkt in Peru ein (zumindest was Mama Ocllo anbetraf), da sich sowohl unsere neue Baby-Kollektion als auch unsere Kuscheltiere in Produktion befanden. So konnten die letzten Korrekturen, was unsere Aufdrucke aber auch unsere Einhörner angeht, vor Ort sozusagen vis-à-vis beäugt und optimiert werden.

Einmal war dies natürlich eine große Bereicherung für uns, weil wir die Prozesse in unserem Produktionsland direkt begleiten konnten, zum anderen laufen die Maschinen für gewöhnlich schneller aus der Nähe als aus der Ferne. Und dies ist eine wichtige Erkenntnis, möchte man mit Peru Geschäfte machen.

Im Andenstaat zählt noch der Mensch und der persönliche Kontakt

Immer wieder bekommen wir Anfragen von Jung-Unternehmern oder solchen, die welche werden möchten, zu unseren Lieferanten. Wir werden nach konkreten Kontaktdaten gefragt. Man möchte selbst ein paar Lieblingsprodukte in Peru produzieren lassen, um diese hier zu vertreiben. Wäre es allerdings mit dem Austausch von Kontaktdaten getan, so würden wohl viel mehr Menschen das Know How und die Materialien des Andenstaates für sich nutzen.

Ich wage aber nun einfach einmal zu behaupten, dass eine Kooperation mit peruanischen Geschäftsleuten ohne einen interkulturellen Background, ohne das Land, die Menschen und die Sprache zumindest ansatzweise zu kennen, häufig von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Denn in Peru schätzt man den persönlichen Kontakt, man möchte angerufen und besucht werden. Auf Erstanfragen via Email wird man daher oftmals nicht einmal eine Rückmeldung bekommen.

Damit möchte ich nicht sagen, dass es nicht schön wäre, mit Peru Geschäfte zu machen, doch blindäugig sollte man an die Sache nicht herangehen. Auch für Gustavo ist es als peruanischer Wirtschaftsingenieur eine ganz neue Herausforderung vom Ausland aus unser peruanisches Netzwerk am Laufen zu halten.

Doch wir wissen, was wir an unserem Produktionsland haben: erstklassige Qualität, Menschen mit fröhlichen Gesichtern hinter unseren Produkten und einen Arbeitsalltag, der alles andere als Langeweile verspricht. Nur Geduld und gute Nerven, ja das brauchen wir, sei es vor Ort in Lima oder über die Distanz hinweg.

Besuch unserer Kleidungsproduzenten

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Nun aber zurück zu Mama Ocllo. Glücklicherweise befindet sich die Schneiderei unserer Kleidungsproduzenten nicht sehr weit weg von unserem Haus in Jesús Maria, einem der vielen Distritos (Bezirke) in Lima. Somit konnte sich Gustavo gleich mehrmals mit unseren Lieferanten Rosario und Gino zusammensetzen, um Abläufe zur Produktion unserer Babymode abzustimmen.

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Vom Illustrator-Design zum finalen Aufdruck: unser Amazonasdelfin

Der Schwerpunkt lag dieses Jahr ganz klar auf unseren wasserbasierten Aufdrucken, die uns allerhand Kopfzerbrechen bereiteten. Vor wenigen Tagen dann erhielt ich via WhatsApp die finale Version des Aufdrucks, der uns vor die größte Herausforderung stellte: ein rosa Delfin in seinem natürlichen Lebensraum, dem Amazonas, weshalb er auch als Amazonasdelfin bekannt ist. Wasserbasierte Farben heben sich am besten auf hellen, also weißen oder beigen, Stoffen ab. Schwieriger wird es bei Stoffen in einem kräftigeren Farbton. Im Gegensatz zu Plastisol-Aufdrucken (PVC-Basis) legen sich ökologische Aufdrucke nicht auf die Oberfläche, sondern werden Teil des Stoffes. Dadurch kommt es zu keinem Faserverschluss, was wiederum die natürliche Atmungsaktivität der Naturfasern bewahrt. Für den Aufdruck selbst bedeutet dies, dass die Farbe des Stoffes von dem Aufdruck nicht vollends überdeckt werden kann, sondern meist leicht durchschimmert.

Nach zahlreichen Experimenten und Farbspielereien ist es uns in Zusammenarbeit mit unseren Produzenten gelungen, ein Ergebnis zu schaffen, bei dem Aufdruck und Stoff eine harmonische Einheit bilden. Damit konnten wir auch diesen Schritt absegnen und unsere Produktionskette wieder ins Rollen bringen. Aktuell werden aus den gefärbten und bedruckten Stoffzuschnitten in der firmeneigenen Schneiderei niedliche Bodys und Strampler für eure Kleinsten genäht. Ein langer Weg vom Entwurf bis zum finalen Produkt. Aber schließlich bauen wir ja auf Slow und nicht Fast Fashion 😉

Unsere Kuscheltier-Lieferanten

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Über einen 10-minütigen Spaziergang von Zuhause aus erreichen wir das Büro von Manuela Ramos, dem ein hübscher kleiner Laden angegliedert ist. In diesem Laden gibt es zunächst einen zauberhaften Showroom mit all jenen Kuscheltieren und Accessoires, die von den Frauen selbst entwickelt wurden und die so wie sie sind zum Verkauf angeboten werden. Durchquert man diesen Raum kommt man in ein kleines übersichtliches Büro. Dort werden Messeauftritte geplant, neue Produktideen besprochen und Gespräche mit Einkäufern geführt. Eine weitere Türe führt ins Lager und gleichzeitig in den Arbeitsraum, in dem frisch aus Puno eingetroffene Produkte auf ihre Qualität hin überprüft werden. Jedes handgestrickte Produkt wird nochmals mit dem ursprünglichen Muster abgeglichen und es werden bei Bedarf kleine Änderungen vorgenommen. Zu guter Letzt erhalten die Produkte ihre Etiketten und Hangtags.

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Schweif zu kurz? Wir lieben Einhorn Luna und langem und mit kurzem Schweif!

Als Gustavo die Frauen dieses Jahr zum ersten Mal besuchte, waren gerade unsere Pferde und Einhörner aus den Bergen eingetroffen. Entzückend sind sie geworden unsere neuen Kuscheltiere, ganz so, wie wir es von den Strickerinnen gewohnt sind. Einzige Abweichung vom Muster: der Schweif des Einhorns ist ein wenig kürzer geraten als gewünscht. Damit können wir leben, entschieden wir, denn ob 1cm länger oder kürzer, darauf kommt es nun wirklich nicht an.

Koordiniert werden musste parallel der Etikettendruck. Hier ist so einiges zu beachten. Alle Pflichtangaben müssen auf dem Etikett erscheinen, das CE-Zeichen muss in Größe und Form den Normen entsprechen und auch die Art und Weise, wie das Etikett am Kuscheltier befestigt wird, ist entscheidend. Umso besser, dass Gustavo auch hier vor Ort war und man an einem Tisch gemeinsam die beste Lösung finden konnte.

Vergangenen Dienstag traten die Pferde ihre Reise über den Atlantik an. In ca. 10 Tagen rechnen wir mit einem Brief vom hiesigen Zollamt, das uns zur Abholung von Luna und Stormy berechtigt.

Aber mehr noch als auf die Pferde freuen Miguel und ich uns natürlich auf die Rückkehr von Gustavo oder Papa Gus, wie Miguel seinen Papa liebevoll nennt. Heute Abend dürfen wir ihn endlich wieder in die Arme schließen.

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