Peru 2017 | Reise in unser Produktionsland

Dieses Jahr ist alles anders. Gustavo macht sich alleine auf die lange Reise in unser Produktionsland Peru. Mit einem lachenden und einem weinenden Augen haben wir ihn gestern Abend am Flughafen München verabschiedet.

Familien- und Lieferantenbesuch in Peru

2017-03-03 Reise nach Peru ProduktionslandWie ihr wisst ist Peru nicht nur Teil von Mama Ocllo sondern liegt uns auch persönlich sehr stark am Herzen. Ja, Peru ist mehr als „nur“ ein Produktionsland, das uns mit kostbaren Produkten für neue Erdenbewohner versorgt. Der Andenstaat ist unsere zweite Heimat und jedes Jahr fiebern wir ungeduldig auf den Moment hin, der uns für ein paar Wochen Deutschland den Rücken kehren lässt, um nach Südamerika zu reisen.

Die ersten Jahre, nachdem Gustavo und ich uns kennengelernt hatten, bewegten wir uns ständig zwischen Deutschland und Peru. Einmal bot sich mir die Gelegenheit für einige Monate in Lima zu studieren oder zu arbeiten, dann wieder konnte Gustavo mich in Deutschland besuchen. An den Trennungsschmerz, der uns über eine lange Zeit immer wieder dann einholte, wenn wir am Flughafen für unbestimmte Zeit Abschied nehmen mussten, konnten wir uns bis zuletzt nicht gewöhnen.

Wie schön war es dann, als wir im Jahr 2012 endlich einen gemeinsamen Weg gefunden hatten. Wir entschieden uns mit Mama Ocllo und einer eigenen kleinen Familie einen Neustart in Deutschland zu wagen. Dank Mama Ocllo sollten uns neben privaten, künftig auch berufliche Umstände regelmäßig nach Peru führen. So wollten wir uns eine gemeinsame Zukunft aufbauen, ohne dass einer von uns beiden das Gefühl hätte, seine Heimat aufgeben zu müssen.

Endlich ein harmonisches Beisammensein ohne schmerzhafte Trennungen. Auch hielt uns die Geburt von Miguel bisher nicht davon ab, einmal im Jahr gemeinsam als Familie nach Peru zu reisen. Ganz im Gegenteil, wir genossen die mehrwöchige Auszeit im Kreise unserer peruanischen Familie und in unmittelbarer Nähe unserer Produzenten.

Dieses Jahr ist alles anders. Gustavo ist gestern Abend alleine in den Flieger nach Südamerika gestiegen. Ihr fragt euch warum? Der Grund dafür ist ein kleiner Mensch, der Ende Juni das Licht der Welt erblicken wird.

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Wir werden zum zweiten Mal Mama und Papa

Beinahe 95 cm Bauchumfang für ein Baby, das gerade einmal 30 cm groß ist und dann noch ein sehr aktiver Miguel, in dessen Adern mehr südamerikanisches als deutsches Blut zu fließen scheint. Nein, dieses Mal würde Gustavo seine Reise besser alleine genießen können.

So haben wir uns vor einigen Wochen entschieden. Und doch wären Miguel und ich am liebsten mit in den Flieger gestiegen. Ein Jahr vergeht so schnell und doch erscheint es einem wie eine kleine Ewigkeit, wenn man noch ganz am Anfang dieser 12 Monate steht. Nächstes Jahr dann werden wir, wenn das Leben es gut mit uns meint, erstmals zu viert nach Peru reisen.

Kennt ihr das, wenn ihr euch in turbulenten Zeiten nach ein paar Jahren Ruhe sehnt, in der ihr einfach eure Routine lebt und den Dingen ihren Lauf lasst? Und dann sucht ihr doch immer wieder ganz bewusst die Veränderung, stellt euch neuen Herausforderungen und die ersehnte Ruhe rückt in eine ungewisse Ferne. Wie oft sitzen Gustavo und ich mit einem guten Gläschen Wein beisammen (aktuell ist natürlich Pause) und denken über unser Leben nach. Dann fragen wir uns, ob wir uns zu viel vornehmen, ob unsere Visionen zu groß sind. An so vielen Abenden fallen wir erschöpft ins Bett, bleiben häufig nur die Abende um Lieferantengespräche zu führen, Produkte zu entwickeln und Strategien auszutüfteln.

Seit nunmehr 4 Jahren leben wir einen Rhythmus, der uns an Grenzen stoßen lässt und uns gleichzeitig sehr glücklich und zufrieden macht. Ich erinnere mich noch gut an die Anfangszeit. Wir hatten eben Mama Ocllo gegründet und in Deutschland Fuß gefasst, dann kam unser Miguel zur Welt. Von Schlaf hielt Miguel noch nie sonderlich viel, sein Babybettchen lehnte er ab und Kinderwägen verschmähte er ebenfalls. Also gab es keinen Arbeitsalltag ohne Miguel.

Im Tragetuch schlummernd lauschte er, wie Mama an der Website arbeitete und Papa Makros für Excel-Tabellen programmierte. Mit einer Hand die Federwiege schaukelnd, bereitete Mama Social Media Posts vor oder beantwortete Kundenanfragen. Gustavo und ich lernten schnell, dass eine Nacht nicht zwingend 8 Stunden haben muss, um leistungsfähig zu sein. Wir akzeptierten auch, dass wir unsere Freizeitaktivitäten radikal zurückschrauben mussten, um Mama Ocllo und Miguel gleichermaßen gerecht zu werden. All diese Opfer brachten wir gerne, schließlich hatten wir uns dieses Leben gewünscht.

Und doch genießen wir im Augenblick unsere neu gewonnenen Freiheiten. Miguel ist seit September halbtags im Kindergarten, er bleibt gerne ab und an über Nacht bei seiner Oma und er geht zu Zeiten ins Bett, die uns beiden einen langen Abend schenken. Auch die anstrengende Gründerphase der ersten drei Jahr ist vorbei. Wir gönnen uns Auszeiten und dürfen zusehen, wie sich vieles von alleine positiv entwickelt. Ein wahrer Segen nach all den vorausgegangenen Anstrengungen.

Der richtige Zeitpunkt für ein Geschwisterkind? Um ehrlich zu sein, haben wir lange darüber nachgedacht, wissen wir schließlich was es bedeutet, ein Unternehmen und gleichzeitig ein harmonisches Familienleben führen zu wollen. Hätten wir nicht spätestens jetzt entscheiden soll, eine Bremse zu ziehen, um das Leben als kleine Familie einfach nur zu genießen? Vielleicht. Aber wir haben uns anders entschieden und wir freuen uns über alle Maßen über diese kleine Kostbarkeit, die mir in diesem Moment ganz heftig gegen den Bauchnabel strampelt, als wüsste sie, dass ich der Welt mit diesen Zeilen erstmals von ihrer Existenz erzähle.

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