Unsere Mama Ocllo war Königin der Inka und Mutter eines großen Volkes, das lest und hört ihr ja nun nicht zum ersten Mal. Doch was weiß man eigentlich über die Babys und Kinder im Inkareich?

Mama Ocllo´s Nachkommen

Die Informationen, die man darüber bisher in Erfahrung bringen konnte, sind spärlich. Doch geben Sie uns zumindest eine grobe Vorstellung davon, was es bedeutete im Reich der Inka das Licht der Welt zu erblicken und dort aufzuwachsen.

Babys/Kleinkinder und Kinder: Unterteilung in zwei Gruppen

Grundsätzlich unterteilte man den Nachwuchs der Inka in zwei Altersgruppen. Babys/Kleinkinder (0-4 Jahre) sowie Kinder (5-12 Jahre). Darin unterschied man sich also nicht großartig von unserer modernen Gruppierung in Babys, Kleinkinder und Kinder.

Der Unterschied zeigte sich vielmehr in den Aufgaben, die man je nach Alter nachzugehen hatte. Die Kleinsten, also Babys und Kleinkinder, standen ganz unter der Obhut der Familie und ihre einzige Aufgabe bestand im „Kindsein“.

Dies änderte sich mit dem 5. Lebensjahr. Denn da wurde man schön langsam in die Aufgabe der Erwachsenen eingewiesen und unterstütze diese soweit dies eben möglich war.

Grube in der Natur: der inkaische Laufstall

Babys setzte man häufig in eine Art Grube, die wohl dem Prinzip nach die Aufgabe eines modernen Laufstalls zu erfüllen hatte. In dieser Naturgrube übten die Babys zu krabbeln, sich aufzurichten und ihre ersten Schritte zu kontrollieren. In ihrer Grube beschäftigten sich die Babys mit sich selbst, bauten sich imaginäre Welten auf und lernten auf eine gewisse Weise unabhängig zu sein.

Denn es war wohl nicht gern gesehen, dass man sein Baby ständig in den Armen hielt und es nach inkaischer Vorstellung „verhätschelte“.

Pucken und Tragetuch: ein Erbe der Inka?

Viele junge Eltern haben die Vorteile des Puckens für sich wiederentdeckt. Babys schlafen friedlicher und fühlen sich geborgen, diese wundervollen Eigenschaften sagt man einem Pucksack oder –tuch nach.

Auch in Mama Ocllo´s Welt schien man die Vorzüge des Puckens erkannt zu haben. Wie heute wickelte man seine Babys in Tücher ein, die den gesamten Körper – Schulter bis Fuß – umschlossen. Gepuckt – und hier der Unterschied zu heute – packte man sein Baby dann in ein Tragetuch und band es sich auf den Rücken.

Einmal im Tragetuch, verweilte Baby dort eine ganze Zeit. Denn das Tragetuch diente nicht nur als „Rucksackersatz“ sondern auch als eine Art Hängematte, in der das Baby selbst dann noch liegen blieb, wenn der Moment des Stillens gekommen war.

Spielzeug der Inka Babys

Darüber, womit Babys zur Zeit der Inka am liebsten spielten, weiß man noch sehr wenig. Archäologen sind zwar bei ihren Ausgrabungen auf Puppen aus Stoff und Stroh sowie Figuren aus Holz und Keramik gestoßen, doch inwieweit diese den Babys als Spielzeug dienten lässt sich schwer sagen.

Doch wie wir aus eigener Erfahrung wissen, wird es Babys selten langweilig, schließlich gibt es immer etwas zu entdecken und zu erforschen.

Und was die Kinder betraf, die lernten schon früh alltäglich anfallenden Aufgaben nachzugehen. So halfen die Jungs beim Bestellen der Äcker, bei der Tierzucht und der Jagd von kleineren Tieren. Die Mädchen unterstützen ihre Müttern beim Nähen, Kochen und Putzen.

Soziale Unterschiede: privilegierte Inka Babys

Man muss davon ausgehen, dass unter den Inkas nicht alle Kinder und Babys gleichbehandelt wurden. Denn es existierten soziale Klassen, die klare gesellschaftliche Unterschiede markierten.

Inka Babys waren in vielerlei Hinsicht privilegiert und nur sie durften ab einem gewissen Alter die Schule besuchen.

Erziehung im familiären Umfeld

In der Familie erlernten die Babys und Kinder der Inka die Sprache ihres Volkes, das Quechua. Ihnen wurden religiöse Glaubensvorstellungen und Traditionen vermittelt und sie übten sich in der Kunst eines harmonischen Zusammenlebens in der Gemeinschaft.

Dabei legte man besonders Wert auf drei Grundregeln – im Christentum würde man von Geboten sprechen -, die es zu befolgen galt:

Ama súa – Sei kein Dieb
Ama llulla – Sei kein Lügner
Ama kella – Sei kein Faulpelz

Schulbildung für Inka Jungen und Mädchen

Die Schule der Jungen wurde Yachayhuasi („Haus des Wissens“), die der Mädchen Acllahuasi („Haus der Auserwählten“) genannt.

Wie bereits erwähnt, hatten nur die Nachkommen der obersten Schichten das Privileg, eine Schule zu besuchen, darunter die Kinder der Inka, der Mitregierenden und der Heiler.

Die Jungen wurden von einem Amauta („Lehrer“) unterrichtet, die Erziehung der Mädchen oblag der Mamacona („ehrliche und angesehene Frau“). In der Schule lernten die jungen Inka die Bräuche ihrer Vorfahren kennen, bekamen einen Einblick in bereits entwickelte Wissenschaften, wurden in magischen Praktiken und Astronomie geschult und man lehrte sie, wie man ein Reich regiert.

Der Erziehungsstil im Inkareich war sehr streng. Kinder und Jugendliche, die nicht gehorchten wurden hart bestraft. Da kam es schon einmal vor, dass ein Quertreiber ausgepeitscht wurde, um ihm einen Denkzettel zu erteilen.

Hatten die Jungen ihre schulische Ausbildung im Yachahuasi abgeschlossen, zählten sie offiziell zu den erwachsenen Inkas. Als Symbol dafür und zugleich Statussymbol trugen sie von jenem Zeitpunkt an den für die Inkakultur typischen Ohrpflock.

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