Der Exportmarkt, der sich auf die hohen Ansprüche ausländischer Kunden spezialisiert hat, entwickelte sich aus der Blütezeit Gamarras heraus, dem industriellen Zentrum Perus (Artikel vom 17.6.).

Formalisierung von Wirtschaftsunternehmen

Einen entscheidenden Anteil dazu trug der peruanische Staat bei, indem er in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts Steuervergünstigungen erließ, die dem Wachstum der Textilbranche zu Gute kamen, neue Arbeitsplätze schufen und dem Exportgeschäft zu einem vielfältigeren Angebot verhalfen. Diese staatlichen Initiativen hatten mitunter das Ziel zu einer Dezentralisierung der Textilindustrie beizutragen, da sich diese bis dato auf die Hauptstadt Lima konzentrierte. Als Folge entstanden bsp. wichtige Produktionsstätten in der Stadt Chincha (200 km südlich von Lima).

Seit dem Jahr 2000 lässt sich nun von einer fest etablierten, gut organisierten, größtenteils formalisierten und ständig wachsenden Textilbranche in Hinblick auf den Export sprechen. Dass dies einen großen Fortschritt für den Andenstaat bedeutet zeigen Statistiken, nach denen gerade einmal rund 35% der peruanischen Wirtschaftsunternehmen offiziell konstituiert sind, regelmäßig Steuern und Abgaben entrichten sowie internationalen Arbeitsstandards und Umweltnormen folgen.

In dem Fall von exportierenden Textilunternehmen, die von den Steuer- und Finanzierungsvorteilen profitieren möchten, muss zwingend eine rechtliche Formalisierung vorliegen und es wird auf die Einhaltung besagter Normen und Standards geachtet.

Freihandelsabkommen Peru – EU

Auch die zahlreichen internationalen Wirtschaftsabkommen haben zweifellos zum Aufschwung dieses Sektors beigetragen. Ein Beispiel dafür ist die Unterzeichnung des Freihandelsabkommens zwischen Peru und der EU, das vergangenes Jahr ratifiziert wurde. So wurde im Jahr 2012 ein Exportvolumen von ca. $ 2 Mrd. erreicht, wobei die USA und die EU zu den wichtigsten Handelspartnern Perus zählten.

Baumwolle | Exportware 1. Qualität

Die am meisten exportierten Baumwollfasern sind Pima und Tangüis, da man die  Weichheit und Qualität der daraus gewebten Stoffe weltweit schätzt. Bekannte Marken wie Hugo Boss (Deutschland), Lacoste (Frankreich), Eagle (USA) oder Burberry (England) lassen von peruanischen Unternehmen hochwertige Kleidungsstücke aus peruanischer Baumwolle produzieren.

Peru | Kein Billiglohnland

An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass Perus Wettbewerbsvorteil NICHT in den niedrigen Produktionskosten liegt, wie es in vielen asiatischen Ländern der Fall ist. Peru ist kein Billiglohnland! Wenn man Peru mit anderen Ländern Südamerikas vergleicht, liegen die Lohnnebenkosten pro Arbeiter mit ca. 65% (Quelle: Mincetur) auf den jeweiligen Monatslohn weit über dem Durchschnitt. Genau aus diesem Grund haben sich die peruanischen Textil-Exporteure auf die Produktion qualitativ hochwertiger Waren spezialisiert. Pima– und Tangüisbaumwolle spielen dabei neben der edlen Alpacawolle eine herausragende Rolle.

Große international tätige Marken lassen zumeist in Asien produzieren, da dort problemlos Produktionsvolumina von mehr als 150.000 Stück bearbeitet werden können. Eben durch diese großen Produktionsmengen lassen sich sehr günstige Stückpreise erzielen. Anders in Peru, wo Produzenten Aufträge zwischen 10.000 und 15.000 Stück erhalten. Mengen, die für asiatische Firmen wenig attraktiv sind und häufig abgelehnt werden. Der peruanische Textilsektor hat sich also darauf spezialisiert, zügig mittelgroße Mengen hochwertiger Exportware zu liefern, die großen Modemarken dazu dienen, ihr Sortiment zu vervollständigen oder spontan um ausgewählte Kleidungsstücke zu erweitern.

Eine bereichernde Erfahrung & Wegbereiter für Mama Ocllo

Die Zeit, die ich in der peruanischen Textilbranche tätig war, stellte eine große Bereicherung für mich dar. Ich baute ein interessantes Netzwerk auf und gewann einen sehr guten Einblick in die Herstellung von Textilien. Und man kann so viel lernen in diesem Sektor, angefangen von theoretischen Konzepten über die Rohstoffe selbst, Web- und Färbetechniken sowie die Konfektionierung an sich. Die Textilbranche ist immer in Bewegung und zugleich einem ständigen Druck ausgesetzt, da sehr viele Richtlinien und Vorgaben präzise eingehalten werden müssen, um dem Markt gerecht zu werden.

Ein spannender Markt, der so viele Möglichkeiten und Chancen bietet! Und unser Vorteil, wir haben Zugang zu diesem, bisher noch viel zu wenig erschlossenen, Markt. Mama Ocllo® ist unser Weg, auch euch an den Schätzen Perus teilhaben zu lassen!

Unsere Erfahrung in der Welt der Textilien, das Netzwerk, auf das wir uns stützen können, das Wissen um die Besonderheit peruanischer Pima– und Tangüisbaumwolle, das Know How der peruanischen Textilindustrie, die auf eine Jahrtausend alte Webtradition zurückblickt, und die Inspiration einer jungen Modedesignerin, die ihre Faszination für Peru mit ihrem Blick für das Schöne verbindet . . .

Wir lieben was wir tun und sind dankbar dafür, dass wir mit meinem Heimatland Peru und seinen Menschen zusammenarbeiten dürfen!

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