Ihr erinnert euch an Leonie, die engagierte Abiturientin, die sich für ein freiwilliges soziales Jahr an einer Waldorfschule in Peru entschieden hat? Hier nun ein erster Bericht über Leonies ersten Monat in Lima.

Kreativität fördern als ein didaktischer Ansatz der Waldorfpädagogik

Wie Leonie betreten auch wir Neuland, was die Waldorfpädagogik angeht. Wenn man seine eigene schulische Ausbildung an staatlichen Schulen absolviert hat, mögen die Ideen und Konzepte von Waldorfschulen zunächst einmal befremdlich erscheinen.

„Kein Sitzenbleiben“ als ein Baustein der Waldorfpädagogik

So staunte Leonie nicht schlecht, als sie sah und miterlebte, dass der Unterricht in der peruanischen Waldorfschule nicht mit einer plumpen Begrüßung des Lehrers und einem anschließenden Stillsitzen begann, sondern vielmehr mit Bewegung und Gesang. Das „Nicht Sitzenbleiben“ ist nämlich ein Baustein der Waldorfpädagogik, die einst von Rudolf Steiner ins Leben gerufen wurde.

Künstlerische Kreativität mit wenigen Farben fördern

Rückblickend auf ihre eigene Grundschulzeit war Leonie auch überrascht zu sehen, dass die Kinder in ihrer Klasse nur 4 Farben nutzen dürfen; nämlich Blau, Rot, Gelb und Orange. Vier Wachsmalstifte um kunterbunte Bilder zu produzieren? Das geht und zwar erstaunlich gut. Lest was Leonie selbst dazu schreibt:

„Als ich dann gesehen hab dass die Kinder in der ersten Klasse nur 4 Farben benutzen dürfen, hab ich erst mal gestutzt. Aber als ich gesehen hab wie viel die damit anstellen können war ich echt überrascht. Aus Blau und gelb wird ganz schnell grün, lila ist auch leicht, und braun ist einfach alles zusammen. Schwarz gibt es zwar nicht, aber das brauch hier auch keiner. Man kann aus einer Farbe auch ganz einfach hell und dunkel machen. 4 Farben sind also nicht gleich 4 Farben.“

Unterricht und Projektarbeit nach Waldorfpädagogik

Und wer glaubt, dass das Arbeiten an einer Waldorfschule entspannend ist, der würde sich wundern, wenn er Leonies vollbepackten Stundenplan sähe.

Ein Unterrichtstag an der peruanischen Waldorfschule beginnt um 8 Uhr morgens und endet um ca. 16 Uhr. Die Kinder sind zwischen 6 und 12 Jahre alt und kommen zumeist aus ärmlichen Verhältnissen.

Neben dem Unterricht an der Waldorfschule selbst, arbeitet Leonie zusätzlich an Sozialprojekten mit, die in Zusammenhang mit der Waldorfpädagogik stehen.

Eine Chance für Kinder ohne Perspektive

Einmal in der Woche, immer dienstags, unterstützt die Abiturientin ein engagiertes Ehepaar, das selbst an der Waldorfschule unterrichtet und nebenbei Kindern Obdach und Ausbildung bietet, die sich den Schulbesuch aus diversen Gründen nicht leisten können.

Viele viele Male bin ich selbst mit dem Bus durch Limas Randbezirke gefahren und konnte vom Fenster aus die staubigen dicht besiedelten Sand- und Steinberge sehen. Wellblechhütten und Konstruktionen aus ähnlich instabilen Materialien bieten den Ärmsten der Armen Obdach und verfügen häufig nicht einmal über eine ordentliche Wasser- und Kanalversorgung. Der Zustrom von Menschen aus ärmeren Regionen Perus auf die Metropole Lima reißt nicht ab und so reiht sich Hütte an Hütte in den wüstenartigen Ausläufern Limas. Auf der Suche nach einer besseren Zukunft, bleiben viel zu viele Menschen in eben diesen Randbezirken hängen; darunter natürlich auch zahlreiche Kinder.

Handwerken als sinnvolle Beschäftigung für perspektivenlose Kinder

In einer dieser Regionen im Distrito San Juan de Lurigancho steht auch jenes Gebäude, in dem Leonie zusammen mit dem Lehrer-Ehepaar Kinder von 4 bis 18 Jahren ab 16 Uhr Unterricht im Stricken, Häkeln und Flechten geben. Dies mag in so mancher Ohr banal klingen, denn was mit Handfertigkeiten wie etwa Stricken anfangen? Tatsächlich lässt sich damit jedoch auf dem lokalen Markt „legal“ Geld verdienen und das wohl Wichtigste daran, die Kinder und Jugendlichen bekommen eine sinnvolle Aufgabe, die ihnen zeigt, dass sie Talente besitzen und durch eigenes Zutun etwas erreichen können im Leben.

Musik als sinnvolle Freizeitbeschäftigung

Auch Musikunterricht zählt zur Arbeit in diesem Projekt. Und Leonie trägt ihren Teil dazu bei, indem sie zwei Jungs Weihnachtslieder auf dem Klavier beibringen will. Das ist nicht nur eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung für die beiden, die Zuhause ihre Zeit mit Fernsehen totschlagen, sondern trägt auch zu ihrem Selbstbewusstsein bei. Voller Stolz werden sie ihrer Familie die selbst erlernten Lieder an den Festtagen vorspielen können.

Musik ist übrigens, wie wir oben bereits gesehen haben, ein wichtiger Baustein der Waldorfpädagogik, der die Kreativität der Kinder ungemein fördert.

Wir sind gespannt auf weitere Berichte von Leonie und hoffen, so noch viel über die Waldorfpädagogik lernen zu können. Doch schon jetzt sind wir überzeugt davon, dass Leonie einen wertvollen Beitrag in Peru leisten und vielen Kindern ein Lächeln auf die Lippen zaubern wird.

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