Wer kennt das nicht: man bereitet liebevoll das Mittagessen zu, gibt sich alle Mühe und als Dank bekommt man dann ein „Bäh“ oder „Schmeckt nicht“ zu hören. Hebamme Nicola verrät euch ihre Hebammentipps für einen entspannten Familientisch.

Wir als Eltern haben es in der Hand

Diese Infografik findet ihr im Anschluss an diesen Beitrag als Grafik zum downloaden und ausdrucken.

Wie so vieles obliegt es uns als Eltern, unsere Kinder an eine vernünftige, gesunde Ernährungsweise heranzuführen. Es gibt sie die leidigen Trotzphasen, in denen man den Eindruck hat, gegen eine Wand zu reden. Alles was wir tun und sagen scheint falsch zu sein oder auf taube Ohren zu stoßen. Keine Frage, das fordert uns viel Geduld ab und verlangt starke Nerven.

Doch gerade in puncto Ernährung sind es nicht immer Trotzphasen, die dazu führen, dass unser Essen verschmäht wird. Häufig sind es Gewohnheiten, die sich schon in einem ganz jungen Alter eingeschlichen haben. Und dann wieder sind es schlichtweg unsere Geschmacksnerven, die nach Süßem oder Würzigem verlangen, einfach weil unser Gaumen es nicht anders kennen- und schätzen gelernt hat.

Hebamme Nicola Herrmann hat in ihrer über 20-jährigen Berufspraxis viel erlebt und weiß aus eigener Erfahrung, was beim Thema Ernährung alles falsch gemacht werden kann. In ihrer Online Hebammensprechstunde vom 12.6. gab sie wertvolle Tipps rund um das Thema „Meine Suppe ess ich nicht“. Hier nun bekommt ihr eine knappe Zusammenfassung des Facebook Live Chats plus die entsprechende Videoaufzeichnung.

Hebammentipp 1: Sei vorsichtig mit dem, was du sagst!

Dein Kind nimmt alles auf, was du tust oder sagst. Und für gewöhnlich wirst du als Mama oder Papa ernst genommen. Wenn du also in Gegenwart deines Kindes immer wieder Sätze wie „Mein Kind ist ein schlechter Esser“ oder „Mein Kind mag kein Obst und Gemüse“ verlauten lässt, wird sich dies über kurz oder lang wie ein Dogma bei deinem Nachwuchs einprägen.

Es wird mit der Idee aufwachsen, dass es ein schlechter Esser ist und dass Obst und Gemüse nicht schmecken. Versuche stattdessen kreative Wege zu finden, um deinem Kind gute Ernährung schmackhaft zu machen. Denn Kinder sind experimentierfreudig und fängt man frühzeitig damit an, sie an gesunde Lebensmittel heranzuführen, ohne das anfängliche Essverhalten offen zu kritisieren, dann kann aus dem „Mein Kind mag nicht“ ganz schnell ein „Mein Kind liebt Bananen, Äpfel und Karotten“ werden.

Hebammentipp 2: Sei ein positives Vorbild!

Es gibt wohl nichts Wichtigeres, als seiner Vorbildfunktion nachzukommen. Vom ersten Tag an sind wir es als Eltern, die gesehen, gehört und beobachtet werden. Trinken wir zu jeder Gelegenheit Coca Cola, packen die Chips-Packung aus oder holen uns Burger von McDonalds, werden unsere Kinder dieselben Bedürfnisse entwickeln. Denn sie sehen es ja nicht anders.

Umso wichtiger ist es, zumindest in Gegenwart unserer Kleinsten auf einen gesunden Umgang mit dem Essen zu achten. Hier versteht sich von selbst, dass dies am glaubwürdigsten rüberkommt, wenn wir auch tatsächlich Wert auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung legen, also Obst, Gemüse und vitaminreiche Nahrungsmittel in der Küche vorherrschen. Und ist ein Kind nicht der ideale Grund, um die eigene Ernährung zu überdenken und bei Bedarf umzustellen?

Um nicht an Authentizität zu verlieren, darf natürlich ab und an auch ungesundes Essen wie die kleinen Naschereien, auf die wir ungern verzichten, auf den Tisch kommen. Dann ist es wichtig, dass dein Kind davon ebenfalls essen darf. Verbietest du ihm das Eis oder den Kuchen, den du gerade genüsslich isst, wird es dies nicht verstehen und erst recht danach verlangen. Sei also grundsätzlich ein gutes Vorbild und vermeide Essensverbote, die dein kleines Kind ohnehin nicht nachvollziehen können wird!

Hebammentipp 3: Bleib locker und sorge für Spaß am Essen!

Gib deinem Kind zu verstehen, dass es gerne mit am Familientisch essen darf, jedoch nicht zwingend muss. Was du im vorsetzt ist ein gut gemeintes Angebot, mehr nicht. Wenn es früher noch zum guten Benehmen zählte, seinen Teller bis zum letzten Krümel leerzuessen und davon abweichendes Verhalten mit Strafen geahndet wurde, so haben wir uns diesbezüglich weiterentwickelt. Heute ist der Großteil aller Kinder in Deutschland mehr als gut ernährt und wird einmal ein Essen verschmäht, so führt dies nicht unweigerlich zum Hungertod.

Wichtig ist jedoch, dass du, sollte dein Kind sein Essen einmal nicht anrühren wollen, nicht gleich attraktive Alternativen bereithältst sondern hier konsequent bleibst. „Wenn dir das Essen nicht schmeckt, dann bleibt nur Brot.“ Und damit ist Brot ohne leckeren Belag gemeint. Die Alternative muss natürlich nicht trockenes Brot sein, doch sollte es sich um ein Angebot handeln, das das liebevoll zubereitete Essen nicht aussticht. So kommt dann vielleicht doch noch die Motivation das eigentliche Mittag- oder Abendessen zu probieren.

Grundsätzlich empfiehlt Nicola, sich generell Gedanken bei der Auswahl von Rezepten und deren Präsentation auf dem Teller zu machen. Das Essen sollte alle Sinne positiv ansprechen und auf eine gewisse Weise Spaß machen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es oftmals nur darum geht, das eigene Kind zum Probieren zu motivieren. Viel zu häufig fällt der Satz „Das schmeckt mir nicht“ schon vor der ersten Kostprobe und wenn du Wege findest, dies zu umgehen, hast du schon so gut wie gewonnen.

Die passenden Rezeptideen und Tricks hat Nicola. Also schau einfach regelmäßig auf ihre schöne Website und probiere die leckeren gesunden Rezeptideen aus!

Hebammentipp 4: Vermeide zu viele Zwischenmahlzeiten!

Kinder lieben Rituale, wie feste Mahlzeiten zu festen Zeiten. Und dies solltest du dir zu Nutze machen, indem du dir Zeit nimmst für einen geregelten Familientisch.

Damit dein Kind auch einen guten Hunger mitbringt und Gefallen daran findet, deine neuen Rezepte auszuprobieren, solltest du die Anzahl an Zwischenmahlzeiten am Tag weitestgehend minimieren. Kinder gewöhnen es sich schnell an, sich durch den Tag zu naschen, um dann beim Mittag- oder Abendessen lustlos mit der Gabel in dem liebevoll zubereiteten Gericht herumzustochern.

Gefährlich an Zwischenmahlzeiten ist auch, dass diese häufig sehr zuckerhaltig sind: einmal ist es ein Fruchtzwerg, dann ein Eis oder ein Müsliriegel. Wir sind bequem und greifen gerade wenn wir unterwegs sind schnell zu zuckerhaltigen Snacks, die unsere Kinder ruhigstellen und bis zur nächsten Mahlzeit vertrösten sollen.

Nicht ohne Grund steigt die Statistik an übergewichtigen Kindern oder solchen, die schon früh an Diabetes leiden, stetig an. Also, besser weniger Zwischenmahlzeiten, dafür regelmäßige vollwertige Speisen.

Hebammentipp 5: Wähle deine Lebensmittel beim Einkauf bewusst aus!

Du entscheidest, welche Lebensmittel in deinen Haushalt wandern. Stehen im Kühlschrank weder Coca Cola noch Schokopuddings, so wird dein Kind erst gar nicht in Versuchung geführt, nach einem Pudding zu fragen.

Und unabhängig von den zahlreichen Versuchungen, die im Kühlschrank oder auch in der Speisekammer lauern, sollest du dir Zeit nehmen bei der Wahl deiner Lebensmittel. Nicola weiß, dass mehr als 90% aller Babybreie hauptsächlich aus Zucker besteht. Dabei muss nicht der Begriff „Zucker“ an erster Stelle der Inhaltsstoffe aufgeführt sein. Es gibt so viele Begrifflichkeiten, die Zucker meinen, aber für den Laien nicht als solche identifizierbar sind. Die Lebensmittelindustrie hat schließlich ein Interesse daran, unsere Geschmacksnerven schon frühzeitig auf Zucker, Geschmacksverstärker etc. einzustellen, sodass wir später einmal gute Esser und Konsumenten werden.

Also wähle kritisch aus und achte vor allem in den ersten Lebensjahren auf eine gesunde, zuckerarme Ernährung. Damit legst du den Grundstein für eine ausgewogene Ernährungsweise, die das Essverhalten deines Kindes nachhaltig, wenn auch nicht immer konsequent, prägen wird.

Facebook Live Chat: Montag, 12. Juni 2017

Infografik Meine Suppe ess ich nicht: Jetzt downloaden und ausdrucken!

Quelle: sämtliche fachliche Informationen dieses Beitrags habe ich unserem Facebook Live Chat entnommen.

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