Religion, Tradition, Kultur, wieder wären wir beim Thema. Was erzählen wir Miguel? Wer bringt die Geschenke am 24. Dezember? Und wie wichtig ist es für ein Kleinkind, ein weihnachtliches Ambiente zu schaffen? Ein paar Reflexionen zum Thema Weihnachten mit Kind.

Weihnachtzauber im heimischen Ambiente

Außer Frage stand für uns, ob wir unser Zuhause zum 1. Advent in ein weihnachtliches Ambiente verwandeln würden. Bereits im November treten wir ein in eine graue, oftmals farblose Welt, in der sich die Sonne immer seltener blicken lässt. Schnell verfallen wir in eine depressive Stimme und wir sehnen uns nach den Farben der vergangenen Monate.

Wie herrlich ist es da, wenn wir die ersten bunten Lichterketten an den Fenstern oder in der Fußgängerzone entdecken. Lichter, farbenfrohe, fröhliche Dekoartikel und geschmückte Tannenbäume bringen ein Strahlen in das triste Ambiente und erwärmen unsere Herzen.

Miguel nimmt mit seinen 3 Jahren nun erstmals bewusst die Lichter, Düfte und Klänge der Vorweihnachtszeit wahr. Strahlend sucht er Luces de Navidad („Weihnachtslichter“), wenn wir abends auf dem Weg nach Hause sind. Jede Lichterkette, jeder Weihnachtsstern bringt seine Augen zum Leuchten. Und endlich haben auch wir Erwachsene wieder einen Grund gefunden, ein Stück Gemütlichkeit aus den Weihnachtskisten auf dem Speicher zu kramen.

Weihnachtsbaum, ja! Aber wann und in welcher Gesellschaft schmücken?

Auch stellen wir seit Miguels Geburt jedes Jahr einen Weihnachtsbaum auf; keinen echten, denn 5 Jahre Wachstum für 2 Wochen Wohnzimmerdeko, dieser Gedanke gefällt mir einfach nicht. Also nutzen wir seit gefühlten 15 Jahren einen künstlich hergestellten Baum, den uns meine Oma vermacht hat. Ist Plastik, leider, aber dafür werden wir ihn so lange nutzen, wie eben nur möglich. Und Plastik vergeht nicht, das ist ja bekannt 😉

Ob nun echt oder nicht, ein Weihnachtsbaum darf einfach nicht fehlen. Ich erinnere mich noch gut, als wir als Kinder stundenlang im Kinderzimmer verharren mussten, bevor ein Läuten ankündigte, dass der Baum geschmückt war und das Christkind seinen Weg zu uns gefunden hatte. Wir liebten die Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Und diesen Zauber möchten wir auch unserem Miguel schenken.

Die letzten beiden Jahre durfte Miguel uns beim Schmücken des Baumes helfen, der bereits zum 1. Dezember aufgestellt wurde, wie es auch in Peru der Brauch ist. Dieses Jahr sind wir noch am überlegen, ob uns Miguel helfen darf, oder ob wir dies das Christkind erledigen lassen.

Nun aber kommen wir zum kniffeligen Thema, was Weihnachten angeht. Kommt überhaupt das Christkind, oder ist es vielleicht doch der Weihnachtsmann? Und was, wenn wir sowohl das Christkind als auch den Weihnachtsmann aus unserem Vokabular verbannen?

Christkind, Weihnachtsmann, oder schlichtweg Geschenketausch zum Fest der Liebe?

2016-12-17-weihnachten-mit-kind-christkind-weihnachtsmannVor wenigen Tagen hatten Gustavo und ich eine längere Diskussion zum Thema Christkind, Weihnachtsmann und Geschenketausch zum 24. Dezember. Ich erzählte meinem Mann davon, wie wir als Kinder Weihnachten erlebt haben und wie sehr wir uns auf das Christkind freuten.

Gustavo erinnerte sich an seine Kindheit, in der zu Weihnachten die gesamte Familie zusammenkam und Geschenke unter den Kindern verteilt wurden. Einen Baum gab es, aber weder der Weihnachtsmann, noch das Christkind wurden zum Thema.

Heute fragte ich ihn nochmals, wie es denn nun in Peru sei, da ich bisher fest der Meinung war, dass man im Andenstaat auf Geschenke vom Weihnachtsmann á la Nordamerika wartete. Und in Teilen Perus ist dies wohl auch der Fall. Doch gibt es auch viele Familien, bei denen das Christkind kommt. Häufig wird Weihnachten mit Ostern in Deutschland gleichgestellt. Und in Gustavos Familie feierte man dieses schöne Fest ganz ohne Fantasiegestalt.

Wenn ich Miguel also vom Christkind erzähle, was würde Gustavo antworten, wenn Miguel seinen Papa danach fragt? Niño Jesús? Schon richtig, hinter dem Christkind verbirgt sich das Jesuskind, aber einmal ganz ehrlich, stellt ihr euch unter dem Christkind nicht eher einen Engel in Frauengestalt vor, der den Wunschzettel abholt und die Geschenke unter den Weihnachtsbaum legt? Hm, zumindest war dies lange meine Vorstellung.

Also haben wir uns entschieden, dass in Deutschland schlichtweg das Christkind (ohne Übersetzung!) kommt und sollten wir einmal Weihnachten in Peru feiern, wir uns eben den Traditionen vor Ort anpassen würden. Miguel wächst zweisprachig auf. Bisher glaubt er, dass Papa ihn nicht versteht, wenn er ihn auf Deutsch anspricht. Er lernt von Anfang an, dass es verschiedene Ausdrucksformen für Dinge gibt, die dieselbe Bedeutung haben. Warum soll er dann nicht verstehen, dass Weihnachten je nach Land und Kulturkreis anders gefeiert wird?

Für viele mag diese Diskussion banal und überflüssig erscheinen. Für mich ist sie dies keinesfalls. Ich glaube fest daran, dass Kinder einen festen Rahmen brauchen, an dem sie sich orientieren können. Experimentieren wir zu viel, erfinden wir jedes Jahr neue Geschichten und Traditionen, würden wir damit nicht mehr Verwirrung als Klarheit in seine kindliche Fantasie bringen? Und es ist doch so etwas Schönes, wenn man die Möglichkeit bekommt, seine eigene fantastische Welt aufbauen und leben zu können. Zu schnell ist diese kostbare Zeit vorbei und der Verstand wird uns vieler unserer Illusionen berauben, ob wir wollen oder nicht.

Mit diesen Reflexionen zum Thema Weihnachten mit Kind wünsche ich euch ein wunderschönes, farbenfrohes Fest mit vielen bunten Geschichten und freudigen Momenten, eure Martina.

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