Koliken, Zähne, Hunger … alles hartnäckige Schlafräuber. Wir scheuen keine Mühe, um diesen Unruhegeistern den Garaus zu machen. Doch manchmal ist es gerade das Nichtstun, das zum Durchschlafen führt.

Das leidige Thema Schlaf

Entscheidet man sich für ein Baby erfährt man schon früh, was Verzicht bedeutet. Und dieser Verzicht ist häufig von der ersten Stunde an mit unserem Schlaf verbunden.

Schlaf war und ist für mich ein essentielles Thema. Ich liebe es zu schlafen, habe es schon als Baby geliebt und tue es nach wie vor gerne. Mindestens acht Stunden durchschlafen, darauf durfte ich mich viele Jahr beim täglichen Zubettgehen freuen. Acht wertvolle Stunden, die mit der Geburt von Miguel in die Wunschkiste wanderten und erst seit kurzem wieder meine Nächte versüßen.

Koliken, die ersten Zähne, ständiger Hunger und ein unersättlicher Bewegungs- und Entdeckungsdrang, da nahm der Schlaf während des ersten Lebensjahres eine nachgeordnete Rolle ein. Wenn es anfangs noch regelmäßig drei Stunden am Stück waren, wurden daraus mit der Zeit zwei und zuletzt nur noch 1,5 Stunden.

Was hatten wir falsch gemacht? Was konnten wir tun? Welchen Ratschlägen folgen? Hier nun unser ganz persönlicher Erfahrungsbericht, der einen kleinen Ausschnitt unserer Experimente, Erfolgserlebnisse und Misserfolge aufzeigt.

Vom in den Schlaf schaukeln und tragen

Miguel wusste zum Glück schon von Anfang an Tag und Nacht zu unterscheiden. Das heißt, die längsten Schlafphasen fanden auch wirklich nach Einbruch der Dunkelheit statt.

Wie viele andere Babys wurde der kleine Mann in den ersten Monaten alle drei Stunden vom Hunger geweckt. Dazu kamen Bauchschmerzen, auch bekannt als Koliken. Zumindest deuteten wir seine plötzlichen Schreiattacken so.

Um die Bauchschmerzen zu lindern und Miguel die fehlende Wärme, wie er sie aus Mamas Bauch kannte, zu ersetzen, entschieden wir uns für folgende Utensilien: Federwiege und Tragetuch. Und so schaukelten, trugen und wiegten wir unseren kleinen Liebling in den Schlaf. Mal im Tragetuch bei Papa, dann bei Mama, untertags in seiner Federwiege im Wohnzimmer, nachts im Schlafzimmer. Seinen Kinderwagen verschmähte Miguel, also trugen wir ihn auch draußen stundenlang spazieren.

Und ich muss rückblickend sagen, bis auf die unerklärlichen Schreimomente, in denen weder tragen, schaukeln noch stillen half, hatten wir damit einen guten Weg gefunden, um unserem Miguel seine ersten Lebensmonate so komfortabel wie möglich zu gestalten.

Die ersten Zähne – böswillige Schlafräuber

Mit ca. sechs Monaten, als wir unsere erste gemeinsame Reise in Miguels zweite Heimat Peru unternahmen, kam der oftmals gefürchtete Moment der ersten Zähne. Die Nächte wurde unruhiger und dies trotz Tragen und Federwiege. Half die Wiege nicht, so packten wir ihn kurzerhand ins Tragetuch und zogen ziellos um die Häuser oder wanderten die Dachterrasse auf und ab, bis die Müdigkeit letztlich doch noch den Sieg davontrug.

Bis zu unserer Rückkehr ahnten wir lediglich, dass die Zähne in Vorbereitung waren, denn so unerfahren wie wir waren, konnten wir nur den Meinungen Anderer Glauben schenken. Die beiden Nächte nach unserer Rückkehr nach Deutschland entdeckten wir einen der Schlafräuber und es stellte sich ein beruhigendes Gefühl ein. Warum? Nein, nicht weil wir erwarteten, dass mit dem Durchbruch des ersten Zahnes Ruhe einkehren und Miguelito fortan durchschlafen würde, sondern vielmehr, weil wir den Grund für die Unruhe der vorhergehenden Tagen entdeckt hatten. Somit wussten wir zumindest, dass wir nichts falsch gemacht hatten, sondern die Natur unserem Miguel schlichtweg ihre schmerzhafte Seite zeigen wollte.

Auf Zahn 1 folgten in den darauffolgenden Wochen sieben weitere, und dies beinahe ohne Unterbrechung. Bald schon sehnten wir uns nach den ersten Monaten, in denen zumindest drei Stunden durchschlafen die Regel war, vergebens. Veilchenwurzel, Osanit-Globulis, Beißringe, Schmerzzäpfchen … Nichts schien Linderung zu schaffen und wir mussten uns geschlagen geben. Also versuchten wir uns zurückzulehnen, Miguel auch weiterhin viel Liebe und Wärme zu geben, in dem Wissen, dass auch diese Ständig-Wachphase früher oder später ihr Ende nehmen würde.

Die Zahnfee pausiert und der Schlaf wird weniger

Kurios wurde das Ganze dann, als der achte Zahn mit beinahe 12 Monaten durchgebrochen war und sich eine Zahnungspause einstellte. Plötzlich wurden die Nächte – entgegen unserer Erwartungen – unruhiger denn je. Erst schreckte Miguel alle zwei Stunden aus dem Schlaf hoch, dann plötzlich alle 1,5 Stunden.

Und als wir an unserem Schlaf-Tiefpunkt von 1,5 Stunden angelangt waren, gingen bei mir die Alarmglocken los. Denn als Mutter wird man bekanntlich sehr belastbar, man verzichtet auf Vieles und ist zu noch mehr Opfern bereit. Doch wenn es permanent an Schlaf mangelt, dann geht auch der geduldigsten Mutter die Puste aus.

Also führte uns unser Weg zur Kinderärztin. Hier lautete die Empfehlung „Baby kontrolliert schreien lassen“ bis es lernt selbst in den Schlaf zu finden. Schlechtes Thema! Denn hier stieß die Ärztin bei mir auf Granit. Über besagtes Buch hatte ich an anderer Stelle bereits berichtet.

Als nächstes rief ich unsere Hebamme an und lud sie zu uns ein. Nach zwei Besuchen stellte sich dann plötzlich eine entspannte Ruhe bei mir ein. Auf einmal schien sich meine innere Stimme wieder zu melden, von der ich seit längerem nichts mehr gehört hatte.

Alle gut gemeinten Ratschläge zur Problemlösung verblassten auf einmal: abstillen, schreien lassen, Baby aus unserem Schlafzimmer schaffen… Alles Ratschläge, die mir wochenlang schlaflose Nächte bereitet hatten und dies angesichts der Tatsache, dass die Nächte ohnehin viel zu kurz waren.

Meine innere Stimme sagte folgendes: „Lass der Natur ihren Lauf. Miguelito ist ein schlaues Baby, er wird für sich entscheiden, wann er auf meine Milch verzichten kann und will. Er wird lernen „durchzuschlafen“. Alles was du tun musst ist Geduld haben und die Augen für die Bedürfnisse von Miguel öffnen.“

Diesem Ratschlag folgte ich ausnahmsweise und siehe da was geschah.

Unser Weg zum Durchschlafen

Südländer-Babys schlafen nicht um 19 Uhr

Mit dieser Haltung begann ich, unsere Situation objektiv zu betrachten und v.a. zu beobachten. Das fing an mit der 19 Uhr Bettgehzeitroutine. Wir stellten fest, dass es schlichtweg keinen Sinn machte, Miguel um 19 Uhr ins Bett zu legen, in der Hoffnung, er würde bis zum nächsten Morgen friedlich schlafen. Unser kleiner Mann hat südländisches Blut wie sein Vater und scheint nichts von der deutschen Sandmännchen-Uhrzeit zu halten.

Statt also stündlich (19-24 Uhr) im Schlafzimmer einen aufgeweckten Miguel in den Schlaf zu singen, entschieden wir uns dafür, ihn dann ins Bett zu bringen, wenn tatsächlich Anzeichen von Müdigkeit zu erkennen sind. Dieser Punkt wird aktuell zwischen 22 und 23 Uhr erreicht, wobei von ca. 18:30 bis 19:30 Uhr eine kleine Siesta eingelegt wird. Damit hatten wir einen Teil der Lösung unseres Schlafmarathons gefunden. Miguel spielt vergnügt, bis ihm das peruanische Sandmännchen die Augen schwer werden lässt und schläft dann friedlich ein.

Es muss nicht immer Milch sein, Wasser tuts auch

Mit dieser Entdeckung hatten wir immerhin schon einen Weg gefunden, die Abende entspannter zu gestalten. Wenn doch keine Zeit für eine entspannte Zweisamkeit bleibt, so ersparen wir uns wenigstens den stündlichen Gang ins Schlafzimmer.

Die Anzahl der Schlafstunden verlängerten sich damit wieder etwas. Und doch wachte Miguel anfangs noch alles 2-3 Stunden auf. Unsere Vermutung: Hunger. Oder doch wieder ein Zahn? Aus Bequemlichkeit entschied ich mich als stillende Mutter für den Hunger. Denn beim Stillen fand Miguelito in wenigen Minuten wieder in den Schlaf.

Als ich jedoch anfing, einen objektiven Blick auf diese Wachphasen zu werfen, stellte ich schnell fest, dass es kaum der Hunger sein konnte. Dafür schlief er zu schnell und ohne viel zu trinken wieder ein. Also beschloss ich, ihm eine Wasserflasche anzubieten, sobald er aus dem Schlaf hochschreckte. Anfangs lehnte er ab, schrie noch mehr.

Dann kam der Punkt – und hier hatte unsere Kinderärztin recht – an dem ich für mich entschied, dass es an der Zeit war, langsam abzustillen. Das war gegen Ende von Miguels 13. Lebensmonat. Dies schien unser Liebling zu spüren. Anstatt ihm direkt die Brust zu geben, wartete ich etwas ab, schaltete sein Nachtlicht an und stellte seine Trinklernflasche ans Bett. Dieses Experiment dauerte vielleicht ein oder zwei Nächte, dann griff Miguelito automatisch nach seiner Wasserflasche und schlief nach zügig wieder ein.

EINE stillfreie Nacht und damit war abgestillt. Miguel liebt seine Wasserflasche und schläft seit einigen Wochen fast ohne Unterbrechung von ca. 22-9 Uhr morgens durch. Und wird er doch wach, so findet er von ganz alleine wieder in den Schlaf.

Damit haben wir zwei große Herausforderungen mit Bravour und ohne Kampf gemeistert: das Abstillen und das Durchschlafen. Auf die Meinungen anderer hätten wir also von Anfang an verzichten können, hätte ich einfach auf meine innere Stimme gehört, mich in Geduld geübt und der Natur ihren Lauf gelassen.

 

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