Ratter, ratter, ratter … dieses Geräusch wird man in Kürze in unserer Schneiderei in Peru hören, wenn nach einer monatelangen Entwicklungsphase nun endlich die Nähmaschinen zum Glühen gebracht werden. Heute gibt es einen Blick hinter die Kulissen, und zwar in die Testphase, die jedes unserer Produkte durchläuft, bevor es in Produktion geht.

Schnell produzieren kann jeder, Zeit nehmen sich die wenigsten

Mit genügend Kapital, einem entsprechenden Personal und Textilfabriken, die zu keiner Uhrzeit die Pforten schließen, lässt sich ruckzuck eine neue Kollektion aus dem Boden stampfen. Trends werden von den Laufstegen abgekupfert, an Rohstoffen und Arbeitern fehlt es nicht. Am Menschen selbst werden die Produkte in den wenigsten Fällen getestet, dafür fehlt es an Zeit und Zeit kostet bekanntlich Geld. Ab und an, ja, da landet ein Strampler oder ein Body im Labor und wird auf seine gesundheitliche Unbedenklichkeit hin überprüft. Mit Glück darf er im Anschluss mit einem Hangtag geziert werden, das den Aufdruck „Textiles Vertrauen“ trägt. Diese Tests sind gut und wichtig, werden allerdings nur sporadisch durchgeführt und sagen weder etwas über die gesundheitliche Unbedenklichkeit für die Produzenten noch über den Tragekomfort der Kleidung aus.

Wir können uns die teuren Labortests nicht leisten, denn wir arbeiten ohne Bankdarlehen und ohne Investoren. Unser Personal ist ebenfalls überschaulich. Und in unserer peruanischen Schneiderei geht zu einer bestimmten Uhrzeit das Licht aus. Was wir jedoch im Gegensatz zu den Textilriesen haben, ist Zeit; Zeit nicht in dem Sinne, dass wir mehr als Stunden pro Tag hätten als andere, sondern vielmehr Zeit, die wir uns nehmen, um wirklich gute Produkte zu entwickeln. Sicher, wir wissen, dass aktuell eine langfristige Kundenbindung nicht möglich ist, dafür haben wir zu wenig Konfektionsgrößen im Sortiment. Das ist zwar bedauerlich, denn treue Kunden müssen sich zwangsweise nach alternativen Labels umsehen, wenn Babys Bäuchlein unseren größten Body sprengt. Doch damit müssen wir leben, wenn wir auf ein nachhaltiges, qualitativ hochwertiges Wachstum setzen wollen.

Nun aber genug der vielen Worte. Ich hatte euch ja versprochen, dass ihr heute exklusive Einblicke in unsere Testläufe bekommt. Am Beispiel Baby-Schlafanzug mit Kratzschutz zeige ich euch die Herausforderungen der Produktentwicklung. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an unsere treue Kundin Verena, die sich in den letzten Monaten sehr viel Zeit zum Testen genommen hat. Ihr zauberhafter kleiner Sohn Leif durfte Probetragen, Muster 1, Muster 2 und Muster 3, während Mama fleißig dokumentierte, fotografierte und uns Verbesserungsvorschläge kommunizierte. Gemeinsam ist es uns gelungen, ein Lieblingsteil für Babys erste Garderobe zu entwickeln und ich bin sicher, ihr werdet den Schlafanzug genauso lieben, wie wir dies jetzt bereits tun.

Das Design | Was unseren Baby-Schlafanzug mit Kratzschutz einzigartig macht

Wie soll er werden, unser neuer Schlafanzug, der bis Größe 92 erhältlich sein wird?  Bequem, praktisch und seidenweich. Soweit also nichts Ungewöhnliches, davon gibt es ja schon genug auf dem Markt, nicht wahr?

Natürlich gibt es bereits unzählige schöne Strampler und Schlafanzüge, das stellen wir auch gar nicht in Frage. Doch in unserer Qualität werdet ihr euch schwer tun ;). Denn farbenfrohe Schlafanzüge aus bio-zertifizierter Pima Baumwolle werdet ihr so nicht findet, zumindest nicht in unseren Breitengraden. Einmal von der Qualität der Baumwolle abgesehen, haben wir uns bemüht, ein komfortables Design zu entwickeln, das zudem wunderbar für hautsensible Babys geeignet ist.

Die Specials auf einen Blick:

  • weiter Schlupfkragen für ein komfortables An- und Ausziehen ganz ohne Tunnelblick
  • dezent eingearbeitete Druckknöpfe im Schulterbereich für eine perfekte Passform
  • Umschlagbündchen an Händen und Füßen (bis Gr. 80) als Kratz- und Wärmeschutz; die Bündchen wurden so designt, dass sie ein Mitwachsen der Kleidung mit dem Baby ermöglichen
  • Druckknöpfe im Windelbereich (einfaches Windelwechseln)
  • niedliche Aufdrucke auf Wasserbasis (kein Plastik, natürliche Optik)

Bevor ich ins Detail gehe, ein kurzer Hinweis. Bei den Baby-Schlafanzügen auf den Bildern seht ihr Muster, die aus Stoffen gefertigt wurden, die dem Lager unserer Produzenten entnommen wurden. Die Farben in der Produktion werden variieren und unsere eigens designten Aufdrucke hüten wir gerade noch wie einen Schatz. Schließlich wollen wir den ganzen Zauber nicht schon vorab wegnehmen 😉

Die Passform

[Der grüne Schlafanzug] ist enger und sitzt etwas zu eng am Rumpf (Bilder sind mit frisch gewechselter und somit dünnstmöglicher Windel), könnte also ein bisschen länger sein. Arme und Beine sind jedoch super (auch durch die schönen festen Bündchen, die den Schlafi an Ort und Stelle halten). – Verena

Auf den beiden Bildern seht ihr zwei unserer Musterentwicklungen, wobei der gelbe Schlafanzug das ältere Modell ist. Zwar scheint Leif sich sichtlich wohl in dem Strampler zu fühlen, doch ist unschwer erkennbar, dass die Passform hier ganz allgemein betrachtet zu schlapprig ist und den Brustbereich freilegt. Dazu muss erwähnt werden, dass das Foto entstanden ist, nachdem der Strampler bereits mehrere Wochen in Gebrauch war und jedes Kleidungsstück aus Baumwolle mit der Nutzung ein wenig nachgibt. Der grüne Strampler sitzt eng, weil Verenas Sohn einen solchen Wachstumsschub in wenigen Wochen gemacht hat, dass wir unser 3. Muster schichtweg zu klein haben fertigen lassen. Unabhängig davon werden wir unsere Maßtabelle noch einmal etwas anpassen, wie Verena uns empfiehlt.

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Die Arme

[Der grüne Schlafanzug] hat die perfekte Armlänge, die Armbündchen sind super und halten den Schlafi da wo er sein soll und verhindern, dass nachts beim rumfuchteln der gesamte Ärmel über das Händchen wandert. Allerdings könnte ich das Bündchen nicht über Leifs Arme klappen. Die Nähte sind superschön und glatt. Mir gefällt auch sehr, dass der Stoff bei den Bündchen doppelt ist. – Verena

Kleine Babys haben häufig kalte Händchen. Und Neugeborene haben lange Fingernägel, mit denen sie sich oftmals im Schlaf kratzen, v.a. dann, wenn sie zu überempfindlicher oder neurodermitischer Haut neigen. Die weichen Umschlagbündchen sind daher als Wärme- und Kratzschutz gedacht. Allerdings müssen wir auch hier nochmal nachbessern, was die Länge der Bündchen angeht.

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Die Beine

Hier das gleiche: ich bin großer Fan der schönen und festen und etwas längeren Bündchen beim [grünen Strampler]. Beim [gelben Schlafanzug] schlackert das alles deutlich mehr, was, glaube ich, hier nicht unbedingt an der Abnutzung liegt. Beim Krabbeln ist das viel besser mit den festen Bündchen. Und ich glaube, dass der Schlafi nicht nur nachts getragen wird, sondern auch tagsüber als Strampler genutzt wird. So ist das jedenfalls bei uns immer. – Verena

Wie schwer es doch ist, eine Passform zu entwickeln, die für jedes Baby passt. Leif ist eher groß für sein junges Alter, unser Miguel zählte zu den kleineren Babys. Wir bemühen uns ein Mittelmaß zu finden, das schlichtweg gut sitzt, nur eben mal länger mal kürzer, je nach Entwicklung des Babys.

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Der Hosenboden

Hier ist beim [grünen Strampler] deutlich weniger Lücke zwischen den Knöpfen. Zudem gefällt mir sehr, dass die Knöpfe in dem braunen Saum versenkt sind. Allgemein mag ich den breiteren Saum [beim überarbeiteten Modell] sehr. Gefällt mir besser als beim [gelben Strampler]. – Verena

Auf Anraten von Verena, hatten wir die Abstände zwischen den Druckknöpfen verkleinert, sodass das Baby besser vor Zugluft geschützt wird. Was auf den Bildern gut zu sehen ist, ist dass nach wie vor zu viel Spannung im Windelbereich aufgebaut wird. Daher werden wir den Stoffeinsatz, der für Raum rund um den Popo sorgt, vergrößern, sodass dünne und dicke Windelpopos gleichermaßen Platz darin haben.

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Der Schlupfkragen

Das absolut größte Plus beim [grünen Strampler]: durch die Knöpfe am Schlupfkragen schließt der sich um den Hals von Leif. Und legt nicht die halbe Brust frei, wie beim [Vorgängermodell]. Die Knöpfe auf dem Schlüsselbein sind wirklich wirklich super und machen [den grünen Strampler] gefühlt doppelt-so-warm wie [den gelben Strampler]. Mir wird nämlich selber immer kalt wenn ich nur schon freigelegte Babyhälse sehe… Das fällt auch besonders beim Krabbeln auf. – Verena

Wir lieben den amerikanischen Ausschnitt, auch Schlupfkragen genannt. Denn es gibt nichts Schlimmeres als ein Kleidungsstück, das mit Gewalt über den kleinen Kopf gezogen werden muss. Für Babys ist es ein fürchterliches Gefühl, wenn sie kurzzeitig den Rundumblick verlieren und der Stoff an der zarten Haut reibt. Kein Wunder also, dass An- und Umziehen häufig mit Tränen verbunden ist.

Dank Wickeloptik und Schlupfkragen ist bei uns in den ganzen 3 Jahren nie eine einzige Träne geflossen. Im Gegenteil, Miguel liebt es, sich seine Shirts selbst überzuziehen. Allerdings haben Schlupfkragen häufig einen kleinen Haken. Dehnen sie sich zu sehr aus, dann schlappern sie um die Brust und legen die nackte Haut frei. Da brachte uns Verena auf eine grandiose Idee. Warum nicht einfach zwei kleine Druckknöpfe an den Schulterpartien anbringen und damit für eine bessere Passform sorgen? Gesagt, getan. Unser Baby-Schlafanzug mit Kratzschutz wird einen optimierten Schlupfkragen bekommen, der ein komfortables An- und Auskleiden ermöglicht und auch nach häufiger Nutzung formstabil bleibt.

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Ja, so also haben wir in Zusammenarbeit mit einer erfahrenen Mama über mehrere Wochen einen Schlafanzug entwickelt, der unseren hohen Ansprüchen genügt und den wir mit gutem Gewissen in Produktion geben können.

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