Pachamama „Mutter Erde“ wird noch heute als Mutter aller natürlichen Ressourcen auf unserem Planeten, und damit Lebensgrundlage aller Menschen, verehrt. Der 1. August steht ganz im Zeichen von Mutter Erde und wird in Peru gebührend gefeiert. Lasst uns diesen Tag zum Anlass nehmen, um unseren beiden mythologischen Figuren, die durch das zauberhafte Wort MAMA miteinander verbunden sind, ein paar Zeilen zu widmen.

M-A-M-A

M-a-m-a, vier Buchstaben, wie wir sie so auf der ganzen Welt hören. Babys brabbeln oft stundenlang m-a-m-a-m-a-m vor sich hin, bis daraus plötzlich ein deutlich zuordenbares Mama entsteht. Doch was hat es mit diesen vier magischen Buchstaben auf sich?

Mama steht zunächst einmal für Leben, Fürsorge und Geborgenheit. Ohne Mama würde es kein Leben geben, ohne Mamas Liebe und Schutz keine glückliche Kindheit, ohne die Erinnerung an eine liebende Mama eine große Leere in der eigenen Biographie.

Pachamama ist eine jener Mamas, ohne die ein Leben auf diesem Planeten nicht möglich wäre. Denn Mutter Erde stellt uns all dies bereit, was wir tagtäglich zum überleben brauchen: Wasser, Nahrung, Sauerstoff usw.

Auch Mama Ocllo macht das Leben auf unserem Planeten für viele Menschen lebenswerter, denn sie schenkt ihnen etwas ganz Besonderes; nämlich eine Identität. Den wenigsten Menschen gelingt es, in der Gegenwart zu leben. Wir identifizieren uns über unsere Vergangenheit, wir brauchen eine Geschichte, auf die wir uns stützen können, sei es eine mythologische oder reale. Mama Ocllo gründete ein Reich, auf das viele Menschen heute stolz zurückblicken. Sie gilt als Sinnbild für das Volk der Inka und wir damit zur legendären Wurzel all jener Menschen, die sich als Nachkommen der Inkakultur verstehen.

Mama Ocllo UND Pachamama – Lebende Legenden

Damals, als die Flüsse noch kristallklar waren, als die Wälder noch so dicht waren, dass sie mit Recht den Namen „Dschungel“ erhielten, da Wege durch das Dickicht nur darin lebenden Naturvölkern bekannt und vor allem sichtbar waren. Ja damals gründete auch unsere Mama Ocllo mit ihrem Bruder und Mann Manco Capac die Andenstadt Cusco und legte damit den Grundstein für das Inkareich.

Mama Ocllo mag der Legende entsprungen sein, auch Pachamama zählt zu einer für das menschliche Auge nicht sichtbaren Welt, eine Welt also, die nicht wirklich greifbar, für viele Menschen jedoch wichtiger Bestandteil ihres Universums ist. Gerade in den Anden, wo das Klima oft sehr rauh ist, wo viele Menschen auf Chacras („Ländereien“) arbeiten, sich über die Ernteerträge ihren Lebensunterhalt sichern und dabei stets von den klimatischen Bedingungen abhängig sind, ja dort ist den Menschen Pachamama noch ein Begriff.

Pachamama: ein zu hütender Schatz

Über viele Jahrhunderte wurde Mutter Erde verehrt und geschützt, wie es ihr gebührt. Die Menschen nahmen sich was sie zum Leben brauchten und brachten Pachamama zum Dank ihre Ehrerbietung dar.

Ja, unsere Vorfahren auf allen Teilen der Erde entwickelten für sich bereits was wir heute eine nachhaltige Lebensweise nennen. Lebensqualität verband man nicht mit einem gut gefüllten Bankkonto und/oder einem Anhaften an materiellen Gütern.

Damals – vor langer Zeit – spielte die Vorstellung einer nachhaltigen Landwirtschaft und ein respektvoller Umgang mit der Natur also bereits eine ganz wichtige Rolle. Man kam gar nicht erst auf die Idee, das natürliche Gleichgewicht durch äußerliches Zutun zu stören. Kurzum, man ging sehr sorgsam mit den Ressourcen der Natur um.

Man lief barfüßig über die Erde, spürte das weiche Gras unter sich, man nutzte was die Natur einem bereitstellte um sich zu kleiden und zu ernähren. Die Menschheit war eins mit der Natur und jeder einzelne lebte – so würde man heute sagen – auf eine gesunde biologisch nachhaltige Weise.

Mit den Jahren verlor sich diese „nachhaltige Lebensweise“ immer mehr, musste bahnbrechenden technologischen, biologischen und chemischen Erfindungen weichen und der Respekt gegenüber Pachamama, unserer Erde, schwand zunehmend.

Umso schöner, dass sich seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts eine Wende abzeichnet. Begriffe wie Nachhaltigkeit, Schutz der Natur und Respekt gegenüber Flora und Fauna haben wieder eine Bedeutung erhalten. Deutlich wird dies nicht nur in unserem privaten Umfeld, sondern vielmehr in der Wirtschaft, wo Sustainability zu einem unerlässlichen Bestandteil jedes Unternehmens geworden ist, das langfristig auf dem Markt bestehen möchte.

Pachamama steht also für einen respektvollen Umgang mit der Natur, erinnert an die Lebensweise von einst, als man noch zu schätzen wusste, was Mutter Erde uns an wertvollen Ressourcen zu freien Verfügung stellt und wie dankbar man dafür sein sollte.

Mama Ocllo als Symbol für ein reiches geschichtsträchtiges Land

Oft hört man von sog. geschichtslosen Ländern und Nationen. Geschichtsträchtige Länder seien Deutschland, Spanien, England, eben Länder, die auf schriftliche Quellen zurückblicken können, deren Helden- und Schandtaten von Gelehrten und Schreiblingen festgehalten wurden; so sagt man. Geschichtslos, so behaupten manche, seien Länder wie Peru, die eben nicht über entsprechende Schriftstücke verfügen. Erst mit der Eroberung durch die Spanier im 16. Jahrhundert startete offiziell die Geschichtsschreibung, leider aber aus „europäisch-kolonialer Sicht“.

Im vorkolonialen Peru wurde sehr viel mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. So geschah es auch mit unserer Mama Ocllo. Und trotz der fehlenden Schriftstücke ist bis heute Mama Ocllo nicht weniger lebendig als entsprechende Gestalten aus dem europäischen Kulturraum. Ganz im Gegenteil, es werden jährlich Feste zu Ehren der Gründerväter des einstigen Inka-Reichs gefeiert, in der Schule lernen die Kinder die Ursprungslegenden ihres Landes kennen und an Universitäten in diversen Ländern hat die mythologische Welt der Inka, ihrer Vorfahren und Nachkommen, wieder zunehmend an Bedeutung gewonnen.

Und was bedeutet Mama Ocllo für uns? Mama Ocllo symbolisiert für uns die Geschichte und Gegenwart unseres Ursprungslandes, die Bräuche, Traditionen, die Flora und Fauna Perus. Aber auch das Know How in der Textilindustrie, die einzigartige Handwerkskunst, die über Generationen weitergegeben wurde und natürlich auch die natürlichen Ressourcen des Landes, die wir Pachamama zu verdanken haben.

 

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