Wir gehen in Produktion, erstmals mit neuen Lieferanten. Werft einen Blick hinter die Kulissen von Mama Ocllo und erfahrt, warum unsere kommende Produktlinie einen Lieferantenwechsel notwendig werden ließ.

Sympathie vs. Qualität

Vor gut 5 Jahren, während eines längeren Aufenthalts in Peru, legten wir die Grundfesten für Mama Ocllo. Wir entschieden uns für die Zusammenarbeit mit einer kleinen familiären Schneiderei, die sich auf die Produktion hochwertiger Bio Babykleidung spezialisiert hatte.

Inhaberin Mariella war uns sofort sympathisch und die ersten Muster, die wir gemeinsam mit ihr entwickelt hatten, überzeugten. Jede Färbung, jede Applikation, jede Naht, alles so, wie wir es uns gewünscht hatten. Bis Anfang 2016 kooperierten wir mit Mariella und dachten bis dato, trotz gelegentlicher Unstimmigkeiten, nicht an einen Lieferantenwechsel. Schließlich wollten wir gemeinsam mit unserer Produzentin wachsen.

Wir nahmen vieles in Kauf, um dieses Ziel zu erreichen: höhere Anschaffungskosten, damit für uns geringere Margen, Verzögerungen in der Produktion und eine teils umständliche Reklamationsabwicklung. Sympathie und die Erfüllung unserer Qualitätsansprüche standen klar im Vordergrund.

Vergangenes Jahr kam es bei Mariella persönlich und beruflich zu Veränderungen. Sie entschied sich ihre eigene Schneiderei aufzugeben, um über kooperierende Schneidereien produzieren zu lassen. Als Standort für die Musterentwicklungen und die Qualitätskontrolle wählte sie einen Randbezirk in Lima, der für uns umständlich zu erreichen ist.

Alles Faktoren, mit denen wir zunächst noch hätten leben können, wäre es nicht letztlich zu Unstimmigkeiten hinsichtlich unserer neuen Produkte gekommen.

Plastisol vs. Water Based

Auslöser für die Trennung von unserer bisherigen Produzentin waren letztlich also Unstimmigkeiten in Hinblick auf unsere bevorstehende Produktion. Konkreter gesagt ging es um die Qualität der Aufdrucke, die wir für unsere Baby-Bodies und Schlafanzüge verwenden möchten.

Um den Konfliktpunkt zu verstehen, ist ein kleiner Exkurs in die Welt der Drucktechniken notwendig. In aller Kürze möchte ich euch verraten, was die häufigsten Drucktechnik (Plastisol) kennzeichnet und wie sich diese von der ökologischen Water based unterscheidet.

Plastisol | Drucktechnik auf PVC-Basis

Plastisol vs. Water Based Print u. Lieferantenwechsel (1)
Plastisol vs. Water Based Print u. Lieferantenwechsel (3)

Plastisol ist die am häufigsten verwendete Drucktechnik für Textilien. Die Farben setzen sich auf die Fasern, dringen also nicht in die Maschen ein und lassen so schöne Druckergebnisse erzielen.

Ein Plastisol-Aufdruck lässt sich ganz einfach an der Haptik erkennen. Der Aufdruck fühlt sich künstlich, gummiartig an und der direkte Kontakt mit dem Bügeleisen sollte gemieden werden.

Plastisolfarben enthalten PVC-Pulver und flüssige Weichmacher. Von ökologischen Inhaltsstoffen kann hier also nicht die Rede sein. Laut der Greenpeace Studie Giftige Garne enthält ein Großteil getesteter Aufdrucke auf Plastisol-Basis toxische Phtalate (Weichmacher), die negative Auswirkungen auf den Hormonhaushalt (Fortpflanzung, Muttermilch, Menopause) aber auch auf unsere Umwelt haben. Wie bei vielen Plastikverpackungen, Plastikspielzeug und diversen Kosmetika, belasten also auch Aufdrucke, die giftige Phtalate beinhalten unsere Gesundheit und die Umwelt, da sie nach und nach schädliche Substanzen freisetzen.

Ob mehr oder weniger toxisch, wir wollen es erst gar nicht auf einen Versuch ankommen lassen. Schließlich steht die Gesundheit eurer Babys auf dem Spiel. Daher zeigen wir Plastisol die rote Karte!

Water Based | Die ökologische Drucktechnik

Plastisol vs. Water Based Print u. Lieferantenwechsel (2)
Plastisol vs. Water Based Print u. Lieferantenwechsel (4)

Für Water Based-Aufdrucke werden wasserlösliche Farben verwendet. Die Wasserlöslichkeit trägt dazu bei, dass es zu keinem Faserverschluss kommt und somit die Atmungsaktivität von Naturfasern gewährleistet wird. Besonders gerne werden Water Based-Druckfarben daher für Funktionstextilien verwendet.

Und das Schönste daran: der Druckbereich bleibt elastisch und genauso flexibel wie der Stoff selbst; und dies ganz ohne toxische Weichmacher. Der Aufdruck ist als solcher lediglich mit dem Auge erkennbar, nicht über das Ertasten einer gummiartigen Oberflächenstruktur.

Beim Trocknen und Fixieren lösen sich keine giftigen Dämpfe. Es verdampft lediglich das in den Farben enthaltene Wasser. Übrige Pigmente werden aufgefangen und gelangen so gar nicht erst in den Wasserkreislauf.

Die Drucktechnik | Auslöser für unseren Lieferantenwechsel

Ich hatte es bereits angedeutet: unsere neuen Bodies und Schlafanzüge werden niedliche Aufdrucke tragen. Mit bedruckter Kleidung betreten wir Neuland, denn wie ihr wisst, haben wir bisher ausschließlich mit schadstofffreien Färbetechniken und unbedenklichen Stick-Applikationen gearbeitet.

Mariella lieferte uns vor nun gut einem Jahr die ersten Aufdruck-Muster. Die Drucke sahen im ersten Augenblick hübsch aus, aber die Haptik gefiel uns ganz und gar nicht. Wir hatten vorab geklärt, dass für unsere Kleidungsstücke ausschließlich ökologische Drucktechniken verwendet werden sollten. Mariella versicherte uns damals, und sie handelte wohl aus eigener Unwissenheit, es würde sich um Drucke auf Wasserbasis handeln. Weit gefehlt!

Nachdem wir trotz diverser Erklärungsversuche nichts Ökologisches an den Aufdrucken erkennen konnten (zu schwer lagen sie auf der Kleidung, zu künstlich erschien uns die Haptik), suchten wir ein sympathisches Unternehmen auf, mit dem wir bereits seit geraumer Zeit in Kontakt standen. Ebenfalls auf die Produktion von Babykleidung aus bio-zertifizierten Materialien spezialisiert, legten wir dem Inhaber-Ehepaar Rosario und Gino die Musterdrucke vor. Plastisol, erhielten wir als sofortige Auskunft und sahen damit unsere Annahme bestätigt.

Ärgerlich! Wie kann so etwas passieren? Mariella hatte sich stets als kompetente Partnerin gezeigt, bei der wir uns mit unseren Ansprüchen bestens aufgehoben gefühlt hatten.

Letztlich führten also mehrere Faktoren dazu, eine neue Lieferantenbeziehung aufzubauen: einmal die Tatsache, dass keine eigene Schneiderei mehr vorhanden war (einfacher zu kontrollieren!), zum anderen die Unsicherheit in Hinblick auf unsere Aufdrucke.

Neue Muster auf Wasserbasis als Expertise unserer neuen Lieferanten

Rosario, unsere neue Lieferantin, hat sich mit ihrem Familienbetrieb nicht nur auf die Konfektion hochwertiger Bio Babykleidung, sondern auch auf ökologische Drucktechniken spezialisiert. Water Based nennt sich die Technik, die Resultate liefert, bei denen unsere Pima-Stoffe mit dem Aufdruck eine Einheit zu bilden scheinen.

Wir haben gefunden, wonach wir suchten und doch stellt uns die ökologische Drucktechnik vor neue Herausforderungen. Ist die Farbe des Stoffes zu kräftig, verliert sich der Aufdruck. Genau dieses Thema beschäftigt uns aktuell.

Vor kurzem sind wir offiziell in Produktion gegangen. Rosario hat feinste Pima-Baumwollfasern in GOTS-Qualität verweben lassen. Nun warten die seidenweichen Interlock-Stoffe auf den nächsten Schritt in unserer Produktionskette: die Färbung (nach OEKO TEX Standard 100). Wie leider häufig der Fall, und dies scheint gängige Praxis in der Textilbranche zu sein, erfuhren wir erst im letzten Moment, dass unsere Farben zu kräftig für die Aufdrucke seien. Grr!

Wären wir ein großes Unternehmen, hätten unsere Muster bereits die finale Farbe, inkl. Aufdruck. Als kleines Unternehmen, werden für die Musterproduktion zumeist Stoffe auf Lager verwendet. Die Muster der Aufdrucke oder Applikationen werden separat zu den Kleidungsmustern mitgeliefert. Dies bedeutet, dass unsere Musterlieferungen aus folgenden Teilen bestehen: Farbmuster, Muster von Applikationen, Aufdruck-Muster, Kleidungsmuster. Allein Telmas (unsere Designerin) geschultes Auge entscheidet letztlich, wo noch nachgebessert werden sollte.

Erst mit Anlieferung der Produktion sehen wir das finale Produkt, so wie es in unseren Shop wandert. Werden nun nach erfolgter Musterentwicklung im letzten Moment Änderungen fällig, haben wir nur zwei Optionen: (1) wir warten erneut mind. 2 Wochen, bis uns die  neuen Farb- oder Druckmuster in Deutschland erreichen (2) wir vertrauen auf Farbcodes und die Bildschirmanzeige und gehen somit schneller in Produktion. In diesem Fall haben wir uns für Option (1) entschieden.

Färberei, Druckerei, Konfektion, Qualitätskontrolle… wenn alles weitere nach Plan läuft, dürften unsere Produkte statt mitte spätestens Ende März 2017 eintreffen. Drückt uns die Daumen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.