Eine jener wundervollen Frauen, die gerade unsere Fingerpuppen in Puno strickt, ist Lourdes. „Ich lebe vom Stricken. Dieses Handwerk ist Teil meines Lebens“, antwortet sie auf unsere Frage, womit sie ihren Lebensunterhalt verdiene. Wir wollten Lourdes kennenlernen …

Erfahrt mehr über Lourdes und ihr Leben

Lourdes Astete Barrientos ist 32 Jahre alt, spricht Aymara (Dialekt in Peru), lebt in Chucuito (ca. 18 km südlich von Puno Stadt), ist verheiratet und hat zwei Kinder: Evelyn (10 Jahre) und Jackeline (3 Jahre).

Unsere Fragen, ihre Antworten

Besucht Evelyn regelmäßig die Schule?
Ja

Verfügt deine Familie Zuhause über die notwendige Grundversorgung?
Zuhause haben wir fließendes Wasser und Licht, aber kein Abflusssystem, deshalb nutzen wir eine Letrine.

Wenn du finanzielle Unterstützung bekommen würdest, was würdest du in deinem Zuhause verbessern?
Mir gefällt mein Zuhause. Aber was schön wäre, wären ein paar Zimmer mehr, das würde mich glücklich machen.

Von was lebst du?
Ich lebe vom Stricken. Dieses Handwerk ist Teil meines Lebens.

Wie hast du von „La casa de la mujer artesana“ erfahren und wie lange arbeitest du schon für das Projekt?
Ich arbeite jetzt schon zwei Jahre für das Projekt. Meine Freundinnen haben mir davon erzählt und auch wenn ich nicht an den organisatorischen Veranstaltungen teilnehmen konnte, so habe ich bisher keine Weiterbildung versäumt.

Wie viele Stunden arbeitest du für das Projekt?
Stundenweise eigentlich immer und wenn es neue Aufträge gibt, dann stricke ich Vollzeit für das Projekt.

Wo strickst du?
Meistens Zuhause. Wenn Versammlungen und Besprechungen anstehen, dann stricken wir Frauen gemeinsam in den Räumlichkeiten des Projekts.

Was hast du während deiner Tätigkeit für das Projekt gelernt?
In erster Linie habe ich gelernt, was gute Qualität ausmacht. Zuvor konnte ich schon stricken, aber das tat ich eben auf meine Weise. Persönlich wurde mir beigebracht, mich selbst gern zu haben und mich wertzuschätzen. Ich habe viel zum Thema familiäre Gewalt und meine eigene Rechte gelernt.

Was schätzt du am meisten an dem Projekt?
Ich stricke schon seit ich 11 Jahre alt bin. Gelernt habe ich es, weil ich aus einer großen Familie komme und meine Mutter uns nicht alle alleine versorgen konnte. Also habe ich angefangen meine eigene Kleidung zu stricken. Zusätzlich arbeitete ich für andere, um die Familienkasse aufzubessern. Leider bekam ich da immer nur ein Drittel des Verkaufspreises. Seit ich in dem Projekt arbeite bekomme ich mehr Geld für meine Arbeit, weil die Qualität meiner Strickarbeiten besser geworden ist. Man kann also sagen, dass ich gelernt habe, dass Zeit Geld ist und dass meine Bemühungen mit einem fairen Preis belohnt werden.

Ich finde das Alles toll, ganz besonders neue Aufträge, weil mehr Aufträge einfach für ein besseres Einkommen für uns und unsere Familien sorgen. Und selbst dann, wenn es keine Aufträge gibt wissen wir, dass wir für „La casa de la mujer artesana“ stricken müssen, um unsere Produkte auf Messen und Märkten präsentieren zu können.

Was machst du mit dem Geld, das du verdienst?
Mit dem Weg, das ich bekomme, kann ich eine Unkosten decken, kann damit das Gemüse zahlen. Und das Geld meines Mannes können wir sparen.

Dieses Geld ist sehr wichtig für mich, weil ich jetzt auf nichts mehr verzichten muss, und das Schönste, es ist mein eigenes Geld. Manchmal werfen die Männer uns nämlich vor „Nur mein Geld gibst du aus!“, ja das sagen sie.

Man könnte also sagen, dass das Geld ein Stück Unabhängigkeit bedeutet.

Wie hat sich dein Leben verändert, seit du für das Projekt arbeitest?
Seit ich für das Projekt tätig bin, habe ich ganz einfach gelernt, welche Rechte ich als Frau habe. Früher haben uns unsere Männer oft behandelt, als wären wir weniger wert wie sie. Seit wir unsere Rechte kennen sagt keiner mehr was.

Finanziell hat mir die Arbeit viel gebracht, denn ich verdiene viel mehr als über Zwischenhändler, die mir früher nur einen kleinen Teil des Verkaufserlöses gaben.

Ich erinnere mich noch gut, wie ich früher einfach so strickte, wie es mir gefiel. Durch das Projekt habe ich Techniken gelernt, wie ich meine Produkte verbessern kann. Damit ist die investierte Zeit für mich viel wertvoller geworden. Ich weiß, was meine Arbeit wert ist und bekommen einen fairen Preis dafür.

Mein Mann hat mir nie verboten, für „La casa de la mujer artesana“ zu arbeiten. Und als er sah, was ich nach Hause brachte, hat er mich sogar motiviert weiterzumachen: „Geh schon und lerne mehr!“, sagte er zu mir.

Was würdest du dir von dem Projekt wünschen?
Ich wünsche mir mehr Aufträge, weil das mehr Geld für unsere Familien und eine größere Autonomie für uns bedeutet.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?
Mein Herzenswunsch ist, meine Produkte zu exportieren und immer weiterzukommen mit Manuela Ramos. Wir wollen wachsen und groß werden und wir Frauen wollen mit viel Optimisimus in die Zukunft blicken!

2 Kommentare zu “Die junge Mutter Lourdes strickt für Mama Ocllo

  1. Es ist toll, dass so etwas wie Stricken Frauen wirklich helfen kann.
    Nicht nur finanziell, sondern auch privat.
    Eine tolle Sache, die man unbedingt unterstützen muss!
    LG

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